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Der Rechnungshof ist nicht unfehlbar

Der Rechnungshof hat wieder einmal Kürzungen bei den Theologischen Fakultäten in Bayern gefordert. Das geschieht schon zum zweitenmal innerhalb weniger Jahre. Doch durch bloße Wiederholungen wird die Qualität seiner Argumente nicht verbessert. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die Argumente des Rechnungshofs zu werfen.

So zählt der Rechnungshof für die Auslastung der Katholisch Theologischen Fakultäten nur die Diplomstudierenden. Alle anderen Studiengänge werden nicht berücksichtig. Das gilt z. B. für die Promotionen. Hier ist anzumerken, dass bei den Doktoranden der Theologie der Anteil ausländischer Studierender besonders hoch ist. Soll einer der letzten Bereiche, in denen die deutsche Wissenschaft internationale Ausstrahlung besitzt, unnötig geschwächt werden? Genauso übergangen werden die Lizentiatsstudiengänge, die allerdings wirklich nur einen relativ geringen Anteil ausmachen. Ebenfalls übergangen werden Aufbaustudiengänge, die in den letzten Jahren in verschiedenen Fakultäten entwickelt wurden. Z. B. Caritaswissenschaft (Passau), theologische Anthropologie (Regensburg) und Umweltethik (Augsburg). Diese Studiengänge werden erst in Jahren ihr ganzes Potential offenbaren. Ist es sinnvoll, sie zusammen mit gerade den innovativen Fakultäten, die sie entwickelt haben, zu schließen?

Ebenfalls ignoriert werden die Studierenden, die ein Magisternebenfach an der theologischen Fakultät belegen. Auch von denen ist eine stattliche Zahl von der Theologie zu versorgen. Besonders ärgerlich ist das Übergehen der Lehramtsstudierenden. Diese machen die überwiegende Zahl der Theologiestudierenden aus. Zwar führt der Rechnungshof hier an, die könnten auch mit sehr wenigen Lehrstühlen ausgebildet werden, doch davon wären drastische Qualitätsverluste zu erwarten. Die Ausbildung zukünftiger Religionslehrer mit wenigen Lehrstühlen mag bei zukünftigen Grund- und Hauptschullehrern möglich sein, da bei ihnen eh nur wenig Zeit für das Fach Theologie zu Verfügung steht, aber bei Gymnasiallehrern ist sie es sicher nicht. Ganz abgesehen davon, stellt sich die Frage, ob es in Zukunft soviel einfacher werden wird, Religion in den Schulen zu unterrichten, so dass die zukünftigen Lehrer mit einer Schmalspurtheologie abgespeist werden könnten?

Wenn der Rechnungshof nun die überwiegende Zahl der Studierenden an den theologischen Fakultäten einfach ignoriert, wird der Wert seiner Aussagen äußerst fraglich. Die Schlagzeile seiner Pressemitteilung "Paradiesische Zustände an den theologischen Fakultäten in Bayern: Auf eine Professorenstelle entfällt jährlich eine Diplom/Abschlussprüfung" mag zwar große Begabung der Rechnungshofmitarbeiter für Journalismus niedrigsten Niveaus demonstrieren, zeigt aber zugleich die Unfähigkeit des Rechnungshofs, sich mit den Sachproblemen auseinander zu setzen. Vielleicht wäre die Existenzberechtigung des Rechnungshofs auch einmal anzufragen. Wie viel Geld sind dem bayerischen Steuerzahler eigentlich dessen unbrauchbare Stellungnahmen wert?

Thomas Gerold

 

Weniger ist mehr - und dann weg?
Wohin führt der Weg für die theologischen Fakultäten?

Es wird eng für die Theologen. Zu wenige Studenten, zu viel wissenschaftliches Betreuungspersonal. So hat es der Rechnungshof festgestellt und fordert die Schließung von drei bayerischen katholisch-theologischen Fakultäten.
Rein rechnerisch scheint diese Lösung zur Stabilisierung der größeren verbleibenden Fakultäten beizutragen. Doch der Verlust für Wissenschaft und Forschung ist evident.
Gerade an den kleineren Fakultäten in Augsburg, Regensburg und Passau haben sich Aufbaustudiengänge herauskristallisiert, die die theologische Landschaft bereichern. Aber es scheint, dass die Theologie ihren Stellenwert in der Gesellschaft soweit einbüßt, dass selbst innertheologisch die Kürzungen viele Befürworter finden. Gerade in Anbetracht der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen müsste die Theologie jedoch einen wichtigen Platz einnehmen.
Die einzelnen theologischen Disziplinen sind so vielfältig und wirken in so viele Lebensbereiche hinein - so möchte ich behaupten - wie nicht viele andere Wissenschaften: historisch, systematisch, philosophisch, praktisch; kurz: vielseitig.

Man sollte fast behaupten, dass es keinem schaden würde, ein bisschen Theologie zu studieren, so wie es früher verbreitet war. Studium generale eben.

Man sollte also behaupten, dass die Theologie ihren Platz unter den Wissenschaften verdient, so wie sie auch eine der ersten wissenschaftlichen Disziplinen überhaupt war.

Aber vordergründig geht es bei der Sache mit dem Rechnungshof ja um Geld. Und Geld regiert bekanntlich die Welt. Das lernt man in der Theologie aber anders, oder?

Eines muss man uneingeschränkt zugestehen: die Theologie darf nicht vom Muff der Tausend Jahre, der Tradition oder den guten Absichten zehren. Sie darf ihren angestammten Platz nicht mit dem Gewohnheitsrecht verteidigen. Sie soll auch nicht geduldet werden. Nein. Sie soll bewegen! Sie soll sich ihren Platz verdienen! Sie will sich ihren Platz verdienen. Dafür braucht es Fakultäten.

Die Theologie hat einen Auftrag in unserer Gesellschaft und diesen muss sie ernst nehmen, um ernst genommen zu werden. Ja, vielleicht sollte sich die Theologie ernster nehmen…

 

Gabriele Merk

 

 

 

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copyright by Q.E.D. - 09.12.2002