100 Jahre Frauen an der Uni

 

Pionierin der Katholischen Theologie

Über die Theologin Elisabeth Gössmann

Als Elisabeth Gössmann mit dem Studium
der Theologie begann, dachte sie nicht über
ihren späteren Beruf nach. "Als der Krieg zu
Ende war, wollten wir wissen, was Sache ist.
Wir stellten uns vor, dass uns ein Theologiestudium
dabei am besten helfen könnte. Wir dachten einfach
nur an diese geistige Orientierung." Heute ist Elisabeth
Gössmann Professorin für "Christian Studies" an der
Seishin-Universität in Tokyo.

Prof. Dr. Elisabeth Gössmann
(Quelle:http://www.kaththeol.uni-frankfurt.de/dekanat/profil/ehrenpromotionen/ehrenpromotionen.htm)

Zu Beginn ihres Studiums
der Theologie und Philosophie stieß sie in den
40er Jahren allerdings auf unterschiedliche
Ansichten ihrer männlichen Kollegen. Die heute
75-jährige Professorin erinnert sich: "Viele Studenten
sagten damals: ‚Frauenstudium lohnt sich
nicht.' Und dann machten sie vielleicht ein oder
zwei Ausnahmen: ‚Außer bei der und der, die
kann´s.'". Und mit einem Lächeln fügt sie hinzu:
"Aber bei den Ausnahmen war ich nie".

Elisabeth Gössmann erlebte
die schwierige Situation für Frauen in der Theologie
intensiv in der eigenen Biographie. 1954 wurden
Elisabeth Gössmann und Uta Heinemann als
die ersten Frauen an der theologischen Fakultät
in München promoviert. München war die erste
Fakultät, die ihre Promotionsordnung zugunsten
der Zulassung von Frauen änderte. Die große
Unsicherheit innerhalb der Kirche bestand
damals darin, dass man noch nicht
wusste, was man mit habilitierten Laien anfangen
sollte. So kam es, dass die Professoren
nach dem optimistischen Aufwind des Zweiten
Vatikanischen Konzils die Habilitationsschrift von
Elisabeth Gössmann zwar anerkennend bewerteten,
die Autorin aber nicht habilitiert wurde. Erst 16 Jahre
später, 1978, habilitierte sie - allerdings im Fach
Philosophie.


 

Seit 1955 lehrt Elisabeth Gössmann in Japan.
37 Bewerbungen an deutschen Hochschulen
wurden abgelehnt. Ihr neuestes Buch, das
im Sommer diesen Jahres erscheinen wird,
trägt den Titel "Geburtsfehler weiblich?". Darin
beschreibt sie ihren wissenschaftlichen Weg
als Frau in einer Männerdomäne.

Trotz allem hat sich die Wissenschaftlerin ihre
Zuversicht bewahrt. Jungen Theologiestudent-
innen rät sie durchzuhalten. "Man kann nichts
verändern, wenn man aus der Kirche austritt
oder von der Theologie weggeht."

 

Gabriele Merk

Im Juni 2003 erschienen die Lebenserinnerungen von Elisabeth Gössmann unter dem Titel "Geburtsfehler: weiblich" im IUDICIUM Verlag, 19,80€.


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