Brüssel - Eindrücke von der EU-Hauptstadt


 

Brüssel, das Bier und die Pralinen

Im Lande der Flamen und Wallonen

 

Brüssel - « Pourriez-vous m´aider?« « Natürlich Madame, wie kann ich Ihnen helfen?" Endlich kann ich mein Französisch wieder aufmöbeln. Darauf hatte ich mich schon lange vor Reiseantritt gefreut. Leider haben mir die Brüsseler teilweise einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Kaum habe ich einen Satz auf Französisch gesagt, wurde mir auf Englisch, einmal sogar auf Deutsch geantwortet. Hört der Brüsseler, dass man Ausländer ist, schwenkt er auf eine andere Sprache um. Nun, meinen deutschen Akzent werde ich wohl leider nicht los. Doch ich habe noch oft genug Französisch sprechen können. Die Offenheit der Belgier gegenüber fremden Sprachen mag daher rühren, dass alle Bürger Brüssels zwei Sprachen beherrschen: Französisch und Flämisch. Straßenkarten sind daher zwei-, Speisekarten zum Teil sogar dreisprachig. Französisch und Flämisch sind zwar schon seit langer Zeit gleich berechtigt, trotzdem sind sich Flamen und Wallonen nicht immer ganz grün. Das bekam auch ich als zunächst unbedarfte Besucherin zu spüren: In einem netten Straßencafé in der Stadtmitte bestellt ich mir nach einem anstrengenden Fußmarsch auf Französisch einen Croque Monsieur (Toast mit Schinken und Käse) und eine Cola. Der Ober quittierte die Bestellung mit einer - soweit ich es verstanden habe - flapsigen Antwort auf Flämisch und einem abfälligen Blick. In bestimmten Vierteln Brüssels ist es also besser, gleich Englisch zu sprechen. Hinterher ist man ja immer schlauer. Letztendlich hat der Ober die Bestellung aber doch ausgeführt.


Seinen Charme hat sich Brüssel, die Hauptstadt Europas, bewahrt. Um den Grand Place herum pulsiert das Leben: Schausteller bringen die Passanten zum Lachen, Menschenmassen wogen durch die teuren Galerien, und manch einer will ein edles Stück auf dem Flohmarkt erstehen. Brüssel lädt zum Sündigen ein - mit Schokolade und Bier. Die schlanke Linie hat in Brüssel keine Chance, reiht sich doch ein Pralinenladen an den nächsten. Dem Duft auf den Straßen ist nur schwer zu widerstehen. Bremsend wirken nur die saftigen Preise. Was soll´s? Schließlich weiß ich ja nicht, wann ich das nächste Mal hierher komme.


Ähnlich verhält es sich mit dem Bier. Die Brüsseler sind so von ihren Bierspezialitäten überzeugt, dass sie sie gleich in mehreren Museen verewigt haben. Beim Bier bin ich allerdings weniger gefährdet, sagt mir doch der Hopfensaft - sicherlich zum Unverständnis meiner Landsleute - nicht zu. Die Belgier mögen ihr Bier zudem recht süß. Manchem Oberbayern bräuchte man damit wohl nicht zu kommen. Die Kneipenkultur ist trotzdem nicht zu verachten: Hat man an einem verregneten Abend nichts Besseres vor, lässt man sich von einer Bar in die nächste fallen.


Das Wahrzeichen schlechthin ist zweifellos auch das Atomium im Norden der Stadt. Wie ich mich doch getäuscht habe! In Wirklichkeit ist das Gebäude viel breiter und höher als es auf Fotos erscheint. Schon werden wir, in einem Aufzug zusammengepfercht mit etlichen anderen Besuchern, in Sekundenschnelle auf 102 Meter in die höchste Kugel katapultiert. Der Ausblick über das ehemalige Expo-Gelände ist einmalig. Nur schlecht, dass es an diesem Tag enorm windig ist. Die oberste Kugel schwankt von einer Seite zur anderen. Das ist bei Menschen mit Höhenangst nicht besonders günstig!


Kleider machen Leute - das weiß auch Manneken Pis, der kleine Knirps aus Bronze, um den sich so viele Geschichten ranken. Manneken Pis als Kriegshelfer oder als Opfer eines Fluchs, der ihn in seinen heutigen Zustand versetzte? Man kann hier zwischen den kuriosesten Legenden wählen. Angeblich ist Manneken Pis im Besitz von über 600 Kostümen, die so bunt und verschiedenartig sind wie die Brüsseler Bevölkerung selbst. Das ist schon witzig: Da stehe ich nun inmitten dieser Menschentraube und bewundere einen 60 Zentimeter kleinen Burschen, der jedes Jahr tausende von Besuchern anlockt. Klein, aber oho!

Sandra Nißl

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Die Göttin Europa -

Wahrzeichen der Europäischen Union

Zahlen und Fakten

  • Die EU-Institutionen beschäftigen rund 30 000 Bedienstete.
    Der Löwenanteil geht hier mit 22 000 an die
    Kommissionen, nur etwa 4 100 Leute arbeiten dagegen
    beim Europäischen Parlament.
  • Bis zum Jahr 2005 wird mit 15 000 weiteren "Eurokraten"
    gerechnet, die für ihre Büros eine Fläche von
    ca. 734 000 Quadratmetern benötigen.
  • Für die fünfte Wahlperiode (1999-2004) sind 624
    Abgeordnete in das Europäische Parlament gewählt
    worden. 99 Sitze fallen dabei auf Deutschland, gefolgt von
    Frankreich, Italien und Großbritannien mit jeweils
    87 Sitzen. Schlusslicht ist Luxemburg mit nur sechs
    Plätzen.
  • Die größten Ausgaben tätigt die EU für die Agrarpolitik.
    Im Jahr 2000 lagen diese bei rund 44,5 Prozent der
    Gesamtausgaben. Nur etwa 5 Prozent gab die EU
    dagegen für die Verwaltung aus.
Das Atomium - Wahrzeichen von Brüssel



Nützliche Links

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19.08.2003