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Die Theologie an der Universität - Symposion zur Bedeutung der Theologie

 

Vom 5. - 6. März veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft Studierende der Katholischen Theologie in Deutschland (AGT) in Würzburg ein Symposion mit dem Titel Die Theologie an der Universität. Versuch einer Standortbestimmung. Hintergrund der Veranstaltung war die zunehmende Bedrohung der Theologie an staatlichen Universitäten in den letzten Jahren durch Staat und Kirche. Man denke nur an die laufenden Debatten, die über die eventuelle Schließung bayerischer theologischer Fakultäten zur Zeit geführt werden oder an den "Staatstheologen-Vorwurf" des verstorbenen Erzbischofs Dyba. Vor diesem Hintergrund wollte sich die AGT mit der Frage nach dem Sinn der Theologie auseinandersetzen.

Der Kölner Philosoph Prof. Andreas Speer ermunterte die Theologie sich selbst noch stärker als Wissenschaft zu verstehen. An das aristotelische Wissenschaftsmodell anknüpfend zeigte er auf, dass die Theologie bezüglich ihres Wissenschaftscharakters den Vergleich zu den anderen klassischen universitären Disziplinen, welche ursprünglich allesamt als Einzelbereiche aus der übergeordneten Philosophie hervorgegangen sind, nicht zu scheuen brauche. Im Gegenteil, die grundlegendsten und wichtigsten Fragen der Philosophie gehörten in den Bereich der Theologie und seien von ihr stets beantwortet worden, insofern habe sie in der Tradition durchaus die Stellung der prima philosophia genossen. Die Theologie müsse ihre Aussagen mit Wahrheitsanspruch vortragen. Wenn sie dies aber tue, dann habe sie in der Diskussion der Wissenschaften - und damit an der Universität - einen bedeutenden Platz.

Der Physiker Prof Reinhard Kümmel konzentrierte sich auf das Spannungsfeld Glaube und Naturwissenschaft. Er zeigte auf, dass das deterministische Weltbild des 19. Jahrhunderts durch die Entdeckung der Relativitätstheorie und der Quantenphysik überholt sei. Er sah keinen Widerspruch zwischen Glaube und Naturwissenschaft. Letztere kann in seinen Augen über den Glauben keine Aussagen machen. In der Diskussion nahm er auch zur Theologie Stellung und verglich die Theologie mit seinem eigenen Fachgebiet, der theoretischen Physik. So wie die theoretische Physik sich auf die Ergebnisse der Experimentalphysik stütze, so baue die Theologie auf den Glauben der Menschen auf. Dieser stelle ihre Grundlage dar.

Die Journalistin Friederike Sittler, Leiterin der Abteilung Kirche und Religion des Rundfunks Berlin-Brandenburg, selbst Theologin, zeigte sich von der Bedeutung der Theologie überzeugt. Sie würde Fragen behandeln, die für die Menschen wichtig wären - insbesondere die Sinnfrage. Allerdings hätte sie darin Schwierigkeiten, die Menschen mit ihren Antworten zu erreichen. Sie zeigte das Problem auf, dass sich die Menschen eher von der Esoterik als von der Theologie Antworten erhofften. Der Herausforderung, die Menschen zur erreichen, müsse sich die Theologie stellen

 

 

Abschließende Podiumsdiskussion: Von Links nach Rechts: Prof. Neuner, Frau Sittler, Thomas Gerold (Moderator), Prof. Eykmann, Prof. Speer.

(Foto Ursula Diewald)

Auch der Landtagsabgeordnete Prof. Walter Eykmann sprach sich klar für die Theologie an den Universitäten aus. Dies zeigte er auch anhand ihrer Geschichte auf, die auf das Engste mit der Geschichte der Universität überhaupt verbunden ist. Er warnte allerdings davor, sich auf den Schutz der Konkordate auszuruhen, sondern empfahl der Theologie vielmehr sich soweit wie möglich, z. B. in der Forschung und Drittmitteleinwerbung, zu engagieren. Darüber hinaus ermunterte er die Anwesenden, das Gespräch mit der Politik auch in Zukunft zu suchen.

Bei dem darauffolgenden Vortrag kam die Theologie selbst zu Wort. Sie wurde vom Vorsitzenden des Katholisch Theologischen Fakultätentags Prof. Peter Neuner vertreten. Der wies der Theologie die Aufgabe zu, gerade die Sinnfrage mit rationalen Argumenten zu erforschen. Darin war er sich insbesondere mit Prof. Speer einig.

Insgesamt waren sich beim Würzburger Symposion alle Referenten sich darin einig, dass die Theologie auch heute an den Universitäten von großer Bedeutung ist. Die universitäre Theologie wurde dazu ermahnt, ihre Aufgabe selbstbewusster wahrzunehmen. Die Teilnahme zahlreicher Studierender, die aus ganz Deutschland zusammengekommen waren, zeigte zudem, dass gerade beim theologischen Nachwuchs größtes Interesse an der Zukunft der Theologie besteht.

Thomas Gerold

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