Die Anglikanische Gemeinschaft. Eine Einführung

Eine weltweite Gemeinschaft
Wenn man im deutschsprachigen Raum von den Anglikanern redet, denkt man meist nur an die "Church of England". Diese ist tatsächlich die Mutterkirche der anglikanischen Kirchen, aber heutzutage ist die "Anglican Communion" fast in der ganzen Welt verbreitet. Neben den Kirchen auf den Britischen Inseln, gibt es die eine große Kirche in Nordamerika, Australien und Afrika, mittlere Kirchen in Asien und kleinere in Süd- und Mittelamerika, sowie vereinzelt in Kontinentaleuropa. Nahezu überall auf der Welt trifft man also auf Anglikaner. Mit ca. 70 Millionen sind sie eine der bedeutenderen Konfessionen innerhalb der Christenheit.

Eine Gemeinschaft von Kirchen
Bei den Anglikanern kann man eher von einer Gemeinschaft von Kirchen als von einer Kirche sprechen. Der Erzbischof von Canterbury ist zwar Oberhaupt der ganzen Anglikanischen Gemeinschaft, aber das entspricht eher einer Art Ehrenvorsitz. Innerhalb der Anglikanischen Gemeinschaft entscheidet jede Kirche. Selbst so bedeutende Fragen wie die Möglichkeit Frauen zu Priestern zu weihen, können in den Vereinigten Staaten anders entschieden werden als in Nigeria. Dies ermöglicht einerseits eine sehr große Anpassung an die Begebenheiten vor Ort, kann aber andererseits auch zu häufigen Zerreissproben führen. Neben dem Erzbischof von Canterbury gibt es noch weitere gemeinsame Institutionen. So gibt es das jährliche "Primates Meeting" bei dem sich die jeweiligen Leiter der unterschiedlichen anglikanischen Kirchen aus aller Welt treffen und über entscheidende Fragen diskutieren. Und die bedeutenste und für die anglikanische Gemeinschaft repräsentativste Institution, die sogenannte "Lambeth Konferenz". Zu dieser alle zehn Jahre in Canterbury stattfindenden Konferenz werden alle Bischöfe der Anglikanischen Gemeinschaft eingeladen. Die Entscheidungen der Konferenz sind zwar für die einzelnen Mitgliedskirchen nicht bindend, aber dennoch haben sie eine sehr hohe Autorität.

Was eint die Anglikaner?
Bei aller Unterschiedlichkeit haben die Anglikaner folgendes Gemeinsam: Sie haben eine dreigliedrige Ämterstruktur, d. h. es gibt Bischöfe, Priester und Diakone. Dies entspricht der Ämterstruktur der Römisch Katholischen und der Orthodoxen Kirchen. Allerdings werden von Seiten der Katholiken die anglikanischen Weihen nicht anerkannt, bei den Orthodoxen ist diese Frage umstritten. Von der Struktur her gibt es also zwischen Katholiken und Anglikanern gewisse Parallelen. Die Theologie der Anglikaner ist jedoch stärker protestantisch beeinflußt. Im 19. Jahrhundert haben nun die anglikanischen Kirchen folgende Punkte als gemeinsam vereinbart. 1. Die Schrift, 2. Die Glaubensbekenntnisse (Apostolisches und Nizäno-Konstantinopolitanisches Bekenntnis), 3. Episkopat (also Bischofsamt). Dazu kommt noch eine gemeinsame Tradition und Geschichte. Denn die Anglikaner nahmen ihren Anfang in der Reformationszeit in England und verbreiteten sich teils durch Auswanderung, teils durch Mission in der ganzen Welt.

Probleme und Chancen
Das vielleicht größte Problem innerhalb der anglikanischen Kirchen sind die großen Unterschiede, die die Gemeinschaft zu sprengen drohen. So gibt es gerade in den westlichen Ländern manch ultraliberalen Bischof, während andere Schrift und Tradition ernst nehmen. Die Ultraliberalen finden sich häufiger im Westen, die Orientierung an Schrift und Tradition mehr in Afrika und Asien. Das führ zu Spannungen, die die Anglikanische Geimeinschaft auf die Dauer zu sprengen drohen. Aber die Unterschiedlichkeit der Postionen ist auch eine Chance. Der Versuch verschiedenste Meinungen innerhalb einer Kirche zusammenzubringen kann auch helfen, Lösungen für die gespaltene Christenheit zu finden.

Thomas Gerold


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