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Viele Fragen bleiben - Eindrücke aus Taizé an den Tagen der Beerdigung Frere Rogers

 

 

In der Auferstehungskirche in Taizé enden die eingängigen Gesänge nicht abrupt: Nach und nach werden die Stimmen der Gottesdienstbesucher leiser, klingen die Lieder langsam aus. Das Leben des Mannes, der dieses Jugendtreffen ins Leben gerufen hat, endete ganz anders: Roger Schutz wurde von einer Rumänin während des Gebets mit dem Messer tödlich verletzt. Die Pilger aus aller Welt können nur schwer damit umgehen.

Christina aus Schweinfurt ist mit ihrer Freundin nach Frankreich gekommen. "Als ich zu Hause vom Tod Bruder Rogers erfuhr, wollte ich sofort nach Taizé, um mich von ihm zu verabschieden", erzählt die 17-Jährige. "Taizé hat mir auch wegen Frère Roger so viel bedeutet."


Etwa 10 000 Menschen verfolgten die Beerdigung in der Kirche oder auf Leinwänden, sieben Fernsehstationen übertrugen die Feierlichkeiten. Luca (23) ist einer der freiwilligen Helfer in Taizé, die bei der Organisation des großen ökumenischen Jugendtreffens mit anpacken und sich um Essensausgabe, Reinigung der Unterkünfte und anderes kümmern. Als die 36-jährige Rumänin mit dem Messer auf Frère Roger einstach, saß er nur wenige Meter entfernt. "Dieser Tag war der bisher schlimmste meines Lebens", sagt er.


Zurück bleiben von der Beerdigung Absperrgitter - und viele Fragezeichen in den Köpfen. Es ist vor allem die Frage nach dem Warum, die die jungen Gottesdienstbesucher den Brüdern nach dem Abendgebet stellen. Das Angebot zum persönlichen Gespräch mit einem Bruder der Gemeinschaft ist nicht ungewöhnlich: Die Männer versuchen täglich, den Jugendlichen in ihren Fragen und Anliegen weiterzuhelfen. In diesen Tagen aber sind es mehr Menschen, die Rat bei ihnen suchen. Auch die Gesänge dauern noch länger als sonst bis tief in die Nacht an. Und es sind wohl auch mehr Tränen als sonst, die in der Kirche mit den warmen Farben und den hellen Kerzen fließen

 

 

 

 

 

Eva (20) aus Münster erinnert sich an ihre erste Reaktion auf die Tat: "Am Anfang war ich geschockt. Was da passiert ist, hat man hier bei diesem friedlichen Zusammensein am wenigsten erwartet." Erst viel später sei aus dem Schock tiefe Trauer geworden. Eva ist direkt vom Weltjugendtag in Köln nach Taizé gekommen. Vergleichen könne man die beiden Angebote allerdings nicht, meint sie: "Trotz einiger Gemeinsamkeiten wie den Besuchern aus aller Welt ist die Stimmung in Taizé ganz anders." Während in Köln viel Trubel war, stehen in Taizé harmonische Gebets-Gesänge und meditative Stille im Mittelpunkt.


Viele Jugendliche können sich für Papst Benedikt ebenso begeistern wie für den Taizé-Gründer Roger Schutz. Dabei erscheinen beide auf den ersten Blick als zwei recht unterschiedliche Persönlichkeiten: Während sich der Papst für komplexe theologische Abhandlungen begeistern kann, versuchte Schutz mit Hilfe simpler Botschaften sein Gottesbild zu verdeutlichen.


"Gott ist nur Liebe" ist der Name eines bekannten Gebetes - und so etwas wie die Überschrift über das Handeln des Taizé-Gründers. Auf diesem Grundstein wollen die Brüder mit ihrem neuen Prior, Frère Alois, aufbauen. Christina ist sich sicher: "Diese Tage in Taizé sind alles andere als einfach. Aber im tiefsten Innern von Taizé hat sich dadurch nichts verändert." Sie wirkt dabei so, als wolle sie dazu beitragen, dass das Leben von Frère Roger in seinen Gesängen noch lange nachschwingt - zusammen mit Eva, Luca und all den anderen, die bald wieder in die Auferstehungskirche auf dem Hügel von Taizé zurückkehren werden.

Florian Amberg

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