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Papst Benedikt XVI

Joseph Ratzinger ist der neue Papst

 

Mit Kardinal Ratzinger wurde zum ersten Mal seit dem Mittelalter ein Bayer zum Papst gewählt. Nun war - und ist - Ratzinger bzw. Benedikt XVI nicht unumstritten. Wer ist dieser Mann, der gerade bei vielen deutschen Katholiken in seinem bisherigen Amt als Präfekt der Glaubenskongregation nicht nur Zustimmung hervorrief. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf diesen nun bedeutendsten lebenden Deutschen zu werfen.

Zunächst ist Benedikt XVI ein überzeugter Christ. Auch wenn man in keinen Menschen wirklich hineinschauen kann, so vermittelt er doch den Eindruck, hinter dem zu stehen, was er sagt. Er hat nicht nur über die Grundfragen des christlichen Glaubens nachgedacht, sondern diesen Glauben auch verinnerlicht. Was natürlich auch die Grundvoraussetzung ist, um diesen Glauben auch nur annähernd verstehen zu können. Die Authentizität, die Johannes Paul II ausstrahlte, wird auch Benedikt XVI haben.

Benedikt XVI ist ein großer Theologe. Er gehört zu den bedeutendsten lebenden Theologen überhaupt. Er kann mit jedem anderen auf diesem Gebiet auf Augenhöhe sprechen. Er hat das intellektuelle Format, die in der Diskussion stehenden Positionen auch außerhalb der Kirche verstehen und einschätzen zu können. Das ist gerade in dieser Zeit der Veränderungen ein unschätzbarer Vorteil. Als Theologe wird er seinem neuen Amt voll und ganz gewachsen sein. Nicht umsonst war er viele Jahre als renommierter Professor tätig. Es ist nur bedauerlich, dass durch diese Wahl so manches theologische Buch aus Zeitmangel ungeschrieben bleiben wird.

Benedikt XVI ist ein Kenner der Weltkirche. Er war seit 1984 Präfekt der Glaubenskongregation. Als solcher musste und konnte er sich mit der kirchlichen Lage in aller Welt beschäftigen. Er traf sich in dieser Funktion mit Kirchenleuten von allen Kontinenten. Und nicht zuletzt ist er damit seit gut zwanzig Jahren in der Kurie tätig. Dadurch hat er den Vorteil, auch die römische Situation gut zu kennen, was für sein neues Amt sehr hilfreich ist. Immerhin wird er für seine neue Aufgabe auch auf diesen großen Behördenapparat angewiesen sein. Seine bisherige Funktion macht es aber zugleich sehr schwer, Benedikt XVI wirklich einzuschätzen. Als Präfekt der Glaubenskongregation war es seine Aufgabe, über die Reinhaltung des Glaubens zu wachen. Für viele populärere Themen waren andere zuständig: Große ökumenische Durchbrüche zu verkünden, sich für den Frieden und gegen die Armut zu äußern, gehörte einfach nicht in sein Ressort. Glänzend wirkte er in den letzten Wochen als Dekan des Kardinalskollegiums. Bei der Beerdigung von Johannes Paul II berührte er mit seiner Predigt die Herzen der Menschen. Das hätten ihm viele nicht zugetraut. In diesen schwierigen Tagen zeigte er endgültig, dass er die Statur für das Amt des Papstes hat.

 

 

 

 

 

 

Nun sind auch Papst Benedikts erste Äußerungen von großem Interesse. Er sprach von sich als einem "einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn." Er fuhr fort: "Mich tröstet die Tatsache, dass der Herr auch mit ungenügenden Werkzeugen zu arbeiten und zu wirken weiß." Es ist also davon auszugehen, dass er sich seiner eigenen Schwächen, die jeder Mensch und damit auch jeder Papst hat, durchaus bewusst ist. Ebenfalls aufschlussreich ist seine erste größere Stellungnahme bei der Messe mit dem Kardinalskollegium am Tag nach seiner Wahl. Darin betont er auch die Fortführung der ökumenischen Arbeit Johannes Pauls II als eine seiner Prioritäten. Einen Rückschritt wird es in dieser für alle Christen zentralen Fragen mit Benedikt XVI voraussichtlich nicht geben. Ob es größere Fortschritte gibt wird sich zeigen. Das hängt nicht nur von ihm ab. Aber es ist doch ein erstes Anzeichen, das hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt.

Auf Benedikt XVI kommen große Herausforderungen zu. Inwieweit wird es ihm gelingen, sowohl der Notwendigkeit der Bewahrung der christlichen Identität als auch der Öffnung für die Menschen gerecht zu werden, und dabei immer richtig einzuschätzen, was verändert werden muss und was nicht verändert werden kann und darf? Das ist eine äußerst schwierige Aufgabe. Auch ist die Führung einer großen Kirche, die zwar nicht nur eine Organisation aber eben auch eine solche ist, nicht einfach. Auch dort gibt es Streit, Stolz und Rivalitäten. Mit all diesen aufreibenden menschlichen Schwächen muss auch dort gerungen werden. Und selbst die Koordination unzähliger Menschen, die sich mit besten Intentionen in sehr unterschiedlicher Weise in die Kirche einbringen, ist ebenfalls eine anspruchsvolle Aufgabe. All diese Herausforderungen machen es nicht gerade einfach, Papst zu sein. Dennoch, Benedikt XVI wird sich voll und ganz bemühen. Und als Christen hoffen wir ja auch darauf, dass der Mensch in der Kirche nicht ohne Gottes Hilfe wirken muss. Hoffnungsvolle Erwartung ist die passende Stimmung für den Anfang des Pontifikats Benedikts XVI.

Thomas Gerold

 

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