Theologie und Glaube


 

Trau Dich und frage!

Gedanken zu Mt 25,35-36

 

"Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis; und ihr habt mich nicht besucht. .. Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan." (Mt 25, 42-43.45)

Mit diesen Worten ermuntert uns Christus, dass wir uns um unsere Mitmenschen - auch und gerade um die Armen und Bedrückten - kümmern und für sie beten. Damit dies aber möglich ist, müssen wir erst von der Not des anderen wissen. Deshalb bedeutet es für mich auch, dass Menschen - dass wir -, wenn wir uns selbst in einer Situation der Not konkret oder im übertragenen Sinn befinden den Mut haben, zu fragen und Beistand zu erbitten.
So, wie Gott immer ein offenes Ohr für uns hat und uns die Erfahrung seiner Nähe anbietet, so können auch wir den Menschen beistehen, so können auch sie uns beistehen.

Oft erlebe ich es aber, dass Menschen sich nicht trauen, zu fragen. Sie scheuen sich, um Hilfe oder um einen Ratschlag zu bitten. Dies kann viele Gründe haben: einer mag sich dumm vorkommen, ein anderer befürchtet ein Nein. Diese Einstellungen resultieren zum Teil aus schlechten Erfahrungen und zum Teil aus Vorurteilen gegenüber den Anderen oder gegenüber sich selbst.
Mir ist es zu einfach, zu sagen: selbst schuld. Wichtiger wäre doch, daß wir eine Atmosphäre schaffen, die es möglich macht, zu fragen und um Hilfe zu bitten. Den Menschen, um uns herum und uns selbst zu vermitteln, daß es die größte Stärke ist, eine Schwäche zuzugeben.
Einem Menschen beizustehen, wenn er Schwierigkeiten hat, ihm zuzuhören und wenn möglich und nötig zu helfen, ist etwas sehr Wertvolles. Wenn wir Hilfe geben können, dann fällt es uns vielleicht auch leichter, selber Hilfe anzunehmen. Es gilt nämlich nicht nur: "Geteilte Freude, ist doppelte Freude", sondern auch "Geteiltes Leid, ist halbes Leid". Sicher läßt sich nicht alles im Leben auf diese pauschalen Formeln bringen, aber sie können doch die Richtung anzeigen. Freud und Leid miteinander teilen, daß setzt zu erst Wahrnehmung voraus. Seinen Mitmenschen begegnen und ein Gespür für ihre Stimmung entwickeln. Einiges wollen und können unsere Mitmenschen auch alleine regeln, aber wenn dies nicht der Fall sein sollte, dann können wir den Menschen vermitteln, daß wir ein offenes Ohr für sie haben und da sein möchten.

 

 

 

 

Das klingt wohl mehr wie eine Selbstverständlichkeit und bei unseren Freunden ist das vielleicht auch gar keine Frage, sondern geschieht einfach, aber wie sieht es mit den anderen Mitmenschen aus? Die, denen wir vielleicht nicht so nahe stehen? Die Privatsphäre und Fremdheit der Anderen respektieren, aber trotzdem Offenheit zeigen. Denn für bestimmte Probleme und Schwierigkeiten haben wir vielleicht die Lösung oder zumindest eine Idee. Das kann etwas sehr Alltägliches sein, wie der Platten am Fahrrad, den man seinem Nachbarn reparieren kann. Das kann aber auch ein offenes Ohr oder ein Taschentuch für die Tränen sein.

Zum Schluss noch ein Gedanke zur mitmenschlichen Realität. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß man öfters auf eine Anfrage ein "Nein" erhält. Entweder, weil das Gegenüber nicht will oder, weil es nicht kann. Aber erstens gibt es noch andere Menschen, die gefragt werden können und zweitens sollte das nicht vom Fragen abschrecken, denn es gilt: "Ein Nein hast Du, ein Ja kannst Du kriegen." (Paul Ch. Donders)

Judith Göd

 

Judith Göd studiert in Bonn Katholische Theologie

 

 

 

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Copyright by Q.E.D. 07.11.2004