Theologie und Glaube


Die Engel

 

 

Was sind eigentlich die Engel? Viele können mit Ihnen nichts anfangen. Zu fremd wirken sie in unserer heutigen Welt. Andere dagegen sind von den Engeln fasziniert. Sie sind bei manchen wieder modisch geworden. Einige beschäftigen sich vielleicht sogar zu sehr damit. Und an Weihnachten dürfen die Engel erst recht nicht fehlen, wenn auch nur als Weihnachtsschmuck. Was ist also heute von Engeln zu halten?

Zunächst: Engel stehen nicht im Zentrum des christlichen Glaubens. Im Glaubensbekenntnis kommen sie nicht vor. Deshalb kann man ein guter Christ sein, ohne sich jemals über sie Gedanken zu machen. Allerdings werden sie sehr wohl in der Schrift erwähnt. Auch spielen sie in der christlichen Tradition eine gewisse Rolle. Sie gehören zum christlichen Glauben. Zwar sind sie nicht dessen innerster Kern, aber auch dessen Ränder sind wertvoll genug.

Was heißt nun eigentlich "Engel"? Das Wort kommt vom griechischen "Angelos". Dieses Wort bedeutet "Bote". Der Engel ist ein Bote Gottes. Ein Beispiel ist Gabriel, der Maria verkündete, dass sie Christus gebären werde. Hinter dem Engel steckt also Gott, der an uns und in uns wirken will. Gott handelt. Er steht im Zentrum. Der Engel ist nur der Bote Gottes. Das ist wichtig. Wenn im Glauben eines Menschen die Engel die zentrale Stellung einnehmen, dann ist dieser Glauben aus dem Gleichgewicht geraten. Dann ist dieser Glaube kein christlicher Glaube mehr. Nur Gott darf in diesem Zentrum stehen. Derjenige, für den Engel sehr wichtig sind, sollte vielleicht einmal darüber nachdenken, ob er nicht genau dieser Gefahr erliegen könnte.

Außer als Boten Gottes finden wir sie auch als Helfer der Menschen. Wiederum sind sie dazu von Gott gesandt, der unser eigentlicher Helfer ist. So Raphael, der im Buch Tobit, Tobits Sohn auf einer Reise begleitet und beschützt. Raphael erscheint nicht mit Flügeln sondern als Mensch. Oder Michael, der große Kämpfer gegen das Böse. Er ist uns vielleicht der fernste der in der Schrift namentlich genannten Engel. Er ist der große Widersacher Satans. Aber auch als Helfer der Menschen und als Streiter gegen das Böse stehen die Engel nicht im Zentrum. Gott allein ist das Zentrum.

Aber auch, wenn die Engel nicht das Zentrum des christlichen Glaubens sind, so ist es auch problematisch, die Engel einfach ins Reich der Fabel zu verbannen. Nicht, dass nicht ein christlicher Glaube ohne Engel vorstellbar wäre. Aber warum sollte man auf sie verzichten? In der Schrift erscheinen sie als Gottes Boten, als Zeichen von Gottes Gegenwart unter uns. Warum sollten wir solche Zeichen von Gottes Gegenwart für unmöglich halten? Mögen nicht manche - keinesfalls alle - Zweifel an der Existenz der Engel in Wahrheit Zweifel an Gottes Gegenwart sein? Ist nicht der Gedanke an die Engel eine Hilfe, an Gott zu denken? Kann nicht jede Darstellung eines Engels, von denen es unzählige gibt, auf den verweisen, dessen Boten sie sind? So können wir jedenfalls mit diesen fremd wirkenden Gestalten, von denen wir hören und lesen umgehen. So können sie uns helfen, noch mehr zu unserem Gott zu gehören.

 

 

 

Darüber hinaus kann uns der Gedanke an die Engel helfen, die Grenzen unserer Welt zu überschreiten. In der christlichen Vorstellung sind auch sie Gottes Geschöpfe. Vielleicht können sie uns daran erinnern, dass Gottes Schöpfung weit größer und herrlicher ist als wir es auch nur erahnen.

Vielleicht das Wichtigste, was uns die Engel sagen können, ist die Ermunterung es ihnen nachzutun. Als Boten Gottes sind sie Diener Gottes, die ihren Dienst ernst nehmen. So schwer es uns auch fällt, uns vorzustellen, wie dieser Dienst genau aussehen könnte. Aber das ist nicht wichtig. Zu viele Spekulationen schaden vermutlich nur. Wichtig ist, dass sie diesen Dienst ernst nehmen. Auch wir sind dazu berufen, Gott zu dienen. Auch wir dürfen seine Boten, Mitstreiter und Helfer sein. Wir müssen wie Gabriel die Botschaft Gottes verkünden und wie Michael uns gegen das Böse zur Wehr setzen. Beides in anderer Weise wie sie, aber nicht weniger. Wir sind zwar nicht nur dazu berufen, Gott als Diener zu dienen, sondern sogar dazu seine Söhne und Töchter zu sein. Aber wer zum Diener nicht taugt, der taugt erst recht nicht dazu, zu den Söhnen und Töchtern zu gehören. Der Gedanke an die Engel kann uns helfen, unser Verhältnis zu Gott endlich in den Mittelpunkt zu rücken. Da gehört es nämlich hin. Gemeinsam dürfen wir Gott dienen. Wir die Menschen und alle anderen Geschöpfe Gottes. Machen wir uns daran!

Thomas Gerold

 

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