Theologie und Glaube



Durch Christus Tätig Sein

Gedanken zu Apostelgeschichte 14

 

 

Zwei Leitsätze stehen im Mittelpunkt dieser Überlegungen. Der eine heißt: Ohne uns kann Christus nichts tun. Der andere: Ohne Christus können wir nichts tun. Auf diesen Gedanken hat mich ein Abschnitt aus Apostelgeschichte 14 gebracht. Paulus und Barnabas gehen in Ikonien in die Synagoge. Dort kommt eine große Menge von Juden und Griechen zum Glauben an Jesus Christus. Es heißt: Sie blieben eine lange Zeit dort und lehrten frei und offen im Vertrauen auf den Herrn, der das Wort seiner Gnade bezeugte und ließ Zeichen und Wunder geschehen durch ihre Hände. (Acta 14,3) Es wäre verständlich, wenn ich sagen würde, dass Paulus und Barnabas eine große Leistung vollbracht haben. Paulus und Barnabas haben viele zum Glauben bekehrt. Paulus konnte gewiss gut predigen. Paulus und Petrus konnten sogar Wunder vollbringen. Wenn es solche Leute wie Paulus nicht gegeben hätte, dann wäre das Evangelium wahrscheinlich nie in Rom angekommen. Gott braucht Menschen als seine Werkzeuge, als Werkzeuge seines Friedens, dass sie Liebe bringen, wo Hass herrscht, dass sie Versöhnung stiften, wo Streit herrscht ... oder wie unser Text sagt, dass Gott durch die Hände des Paulus und Barnabas Zeichen und Wunder geschehen lässt. Doch schauen wir unseren Text genauer an. Wer vollbringt denn die Wunder und Zeichen? Paulus? Barnabas? Nein, der Herr, das ist Christus, wirkt sie durch deren Hände. Der eigentlich Handelnde, der Grund, die Ursache der Zeichen und Wunder und wahrscheinlich auch der beeindruckenden Predigten sind nicht Paulus und Barnabas, sondern Christus. Hat nicht auch Christus gesagt:

Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (Johannes 15, 4-5)

 

 

 

 

 

 

Was soll das denn heißen, ohne mich könnt ihr nichts tun? Ist das nicht ein bisschen übertrieben? Habe ich nicht ganz alleine dies und das gemacht und vollbracht? War dies oder jenes nicht meine Idee? Nun, wenn ich zu mir selbst ehrlich bin, wie war das mit der Idee, ja ich habe sie gehabt, aber was habe ich dazu beigetragen, ist sie mir nicht einfach gekommen? Diese Idee ist nichts Anderes als ein Geschenk. Ja, aber die gute Prüfung, die habe schon ich gemacht. Nun, bei objektiverem Hinsehen kommt mir: So gut war ich eigentlich gar nicht, ich habe halt Glück gehabt, weil der Professor das Richtige gefragt hat. Ja, aber die andere Prüfung, da habe ich wirklich gelernt, das ist doch nun wirklich mein Verdienst. Doch auch wenn ich da weiter denke, muss ich sagen, ja ich habe gelernt, aber mein gutes Gedächtnis habe nicht ich gemacht, das ist ein Geschenk Gottes. Sagt der Apostel Paulus nicht auch in einem Brief an die Korinther: Nicht daß wir tüchtig sind von uns selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott, der uns auch tüchtig gemacht hat (2.Kor 3,5.6)

Darum können wir festhalten, dass Christus ohne uns nichts tun kann, denn er braucht unsere Hände und Füße als seine Werkzeuge, aber ohne Ihn müssen und können wir auch nichts tun. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er uns hilft.

Lieber Gott Du willst, dass ich tätig bin. Du hast gesagt: Ohne mich könnt ihr nichts tun. So bitte ich Dich, dass mein Tun ein Tropfen in Deinem Segensstrom sei.
Amen

Silke Bauer

Silke Bauer studiert evangelische Theologie in München.

 

 

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22.11.2005