Theologie und Glaube


 

Die Herberge selbst sucht nach einer Herberge

 

 

Wir Christen stoßen in der Advents- und Weihnachtszeit immer wieder auf die Geschichte von der Herbergssuche. Maria und Josef wird - wie es uns der Evangelist Lukas überliefert hat - in den Herbergen keine Unterkunft geboten. Sie müssen in einen Stall ausweichen. Schon vor seiner Geburt wird Jesus von Menschen abgewiesen. Die Situation erscheint zwar unerträglich, aber leider nicht allzu ungewöhnlich. Abgewiesen werden viele. Auch jetzt werden viele Kinder unter unzumutbaren Bedingungen geboren. Aber im Falle Jesu ist die Situation geradezu paradox. Zwar scheint es so zu sein, dass die Wirte ihr Heim und Zuhause haben und die Reisenden nicht, doch in Wahrheit ist es genau umgekehrt.

Wer hat hier ein Heim und Zuhause? Sind die Wirte Bethlehems daheim? Das hängt von der Frage ab, was die Heimat des Menschen ist. Ist es diese Welt, oder ein Haus in dieser Welt, dann sind sie es wohl. Dann wären auch wir hier zuhause. Aber genau das wird Jesus später oft genug in Zweifel ziehen. Nicht die Welt ist die Heimat, sondern Gott selbst. Gott, der im ewigen Sohn, im ewigen Kind, in Christus als Mensch zu uns Menschen kommt. Er ist die Heimat, die wahre Heimat der Menschen. Wer bei ihm ist, wer zu ihm gehört, der ist daheim. Nicht aber der, der in einem Haus wohnen möchte, das auf brüchigem Grund steht und das er eines Tages verlassen muss.

Christus als die wahre Heimat hilft uns, unser Leben zu verstehen. Unsere Welt erscheint doch viel eher als Wegstrecke für die Durchreise denn als dauerhafte Heimat. Aber auch für eine lange Durchreise tut sie ihren Zweck. In ihr können wir zur wahren Heimat weiterziehen. In ihr können wir uns für Christus entscheiden. Er ist unser Leben. Wenn wir mit ihm eins sind, dann ist alles in Ordnung. Dann sind wir daheim.

 

 

 

 

Zugleich zeigt dies das Paradox der Herbergssuche. Er, der die wahre Heimat ist, wird nicht aufgenommen. Josef und Maria haben beide zu Christus Ja gesagt. Sie sind eins mit ihm. Sie sind eins mit der eigentlichen Heimat. Die Menschen in Bethlehem sagen Nein zu dieser Heimat. Das ist nicht außergewöhnlich. Wir machen es oft genug genauso. Nur wussten jene damals oft genug nicht, was sie tun. Wir, die wir das Evangelium kennen, sollten es dagegen wissen.

Vielleicht kann uns dieser Blick auf die Herbergssuche auch zu einem neuen Blick auf Weihnachten verhelfen. Wir können so das Kommen Gottes feiern, durch das sich uns auch in dieser Welt unsere wahre Heimat zeigt. Der Glanz und die Freude des Weihnachtsfestes sind ein kleines Bild dieses großen Geschehens, ein schwacher Schatten der Herrlichkeit des zu uns kommenden Gottessohns. Gott ist zu uns gekommen. Er ist in unser Leben gekommen. Und wir dürfen ihn aufnehmen und so auch ihn uns aufnehmen lassen.

Gott, du unsere Heimat, zu uns gekommen als Kind, wir kommen zu Dir. Nimm Du uns auf, Du unser Retter.

Thomas Gerold

 

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