Theologie und Glaube


 

Almighty and everlasting God, who hatest nothing that thou hast made, and dost forgive the sins of all them that are penitent: Create and make in us new and contrite hearts, that we worthily lamenting our sins, and acknowledging our wretchedness, may obtain of thee, the God of all mercy, perfect remission and forgiveness; through Jesus Christ our Lord. Amen

 

Umkehr zum Gott der Barmherzigkeit

Ein Text zur Fastenzeit

 

Das Book of Common Prayer wurde im 16. Jahrhundert erstellt und 1662 überarbeitet und in seine endgültige Form gebracht. Es wird heute neben anderen neueren liturgischen Büchern in der "Church of England" verwendet.

Dieses Gebet stammt aus dem Book of Common Prayer,dem traditionellen anglikanischen Gebetbuch. Dort ist es für den Aschermittwoch vorgesehen und soll auch an allen anderen Tagen der Fastenzeit verwendet werden. Es ist also eine Begleitung durch diese lange, vierzigtägige Zeit. Für denjenigen, der das Book of Common Prayer regelmäßig verwendet, gehört es damit zur Fastenzeit dazu. Es wurde also von denen, die dieses Gebetbuch erstellten, als sehr wichtig angesehen. Das ist nun lange her. Zwischen der Entstehung dieses Gebets und heute liegen einige Jahrhunderte. Doch diese lange Zeit hat an der Beziehung zwischen Gott und Mensch nichts geändert.

In diesem Gebet ist sowohl von Gott die Rede, als auch von uns Menschen. Auf die menschlichen Schwächen, den Hang zur Sünde, wird in deutlichen Worten hingewiesen. Die Zeit der Reformation hat diese Seite des Menschen besonders stark betont. Manchmal vielleicht sogar so stark, dass die Bewertung der menschlichen Schwächen ein problematisches Übergewicht bekam. Doch auch wenn wir es heute nicht so gern hören, die Notwendigkeit zur Reue und Umkehr ist da. Sonst hätte die Fastenzeit, die eine Zeit der Umkehr und Vorbereitung auf Ostern ist, keinen Sinn. Wenn wir nicht falsch gegangen wären, müssten wir nicht umkehren, wenn wir perfekt wären, müssten wir uns nicht erst noch vorbereiten. Wir müssen einsehen, dass wir uns von Gott abgewandt haben, dass wir mit ihm nicht so eins sind, wie wir sein sollten, damit wir uns wieder zu ihm aufmachen können. Um diesen neuen Aufbruch zu Gott geht es in der Fastenzeit. Damit bereitet sie uns auf Ostern vor, das Fest der Auferstehung Jesu Christi. Es geht darum, uns jetzt mit der Besinnung auf unsere Schwächen, auf die Einheit mit Gott, der sich uns gerade in seinem gekreuzigten, gestorbenen und auferstandenen Sohn zeigt, vorzubereiten. Darum geht es in der Fastenzeit.

 

 

Allmächtiger und immerwährender Gott, der du nichts hasst, was du gemacht hast, und der du die Sünden aller vergibst, die bereuen: schaffe und mache in uns neue und reuevolle Herzen, dass wir indem wir angemessen unsere Sünden betrauern und unsere Erbärmlichkeit anerkennen, von dir, dem Gott aller Barmherzigkeit, vollkommene Vergebung und Verzeihung erlangen; durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen

 

 

 

 

Viel wichtiger als die menschlichen Schwächen aber ist Gott. Über ihn wird in diesem Gebet sehr viel ausgesagt: er ist der Gott, der nichts hasst, was er gemacht hat. Das betrifft jeden von uns; denn jeder von uns ist von Gott geschaffen. Niemand wir von ihm gehasst. Es gibt keinen hassenden Gott. Das Bild vom hassenden Gott, den wir milde stimmen und beruhigen müssten, ist falsch. Diesen Sinn hat unsere Umkehr nicht. Gott ist gerade nicht der Gott des Hasses, sondern er ist der Gott der Barmherzigkeit. In diesem Gebet wird er ausdrücklich so bezeichnet. Er ist der Gott der Barmherzigkeit. Wir müssen ihn nicht erst mit Fasten und Buße barmherzig machen. Er ist bereits der Gott der Barmherzigkeit. Er war immer der Gott der Barmherzigkeit. Alle Barmherzigkeit kommt von ihm.

Wenn Gott nun barmherzig ist, warum dann umkehren und fasten? Der Grund ist der, dass wir selbst der Umkehr bedürfen. Das müssen wir erkennen. Sei es mit den drastischen Worten dieses Gebets oder mit unseren eigenen. Und ein zweites: wir haben einen Gott, der uns neue Herzen schaffen kann. Der alles Böse aus uns herausreißen und ersetzen kann. Darum dürfen wir beten. Auf dessen Hilfe dürfen wir hoffen, denn er ist der Gott der Barmherzigkeit. Damit haben wir erst die Chance zur Umkehr. Wenn wir bereuen und zu Gott umkehren, dann werden wir nicht von ihm zurückgewiesen. Er wird uns vergeben und uns gut machen. Denn er ist barmherzig. Wir können auch über dieses Gebet hinausgehen und sagen, er hasst uns nicht nur nicht, sondern er liebt uns. Deshalb lohnt es sich, zu diesem Gott umzukehren. In seiner Liebe sind wir gut aufgehoben. Wenn wir zu ihm gehen, wird er uns bei sich aufnehmen. Verlassen wir also unsere Selbstsucht. Machen wir uns auf und gehen wir zu ihm.

Thomas Gerold

 

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