Theologie und Glaube


Almighty God, give us grace that we may cast away the works of darkness, and put upon us the armour of light, now in the time of this mortal life, in which thy Son Jesus Christ came to visit us in great humility; that in the last day, when he shall come again in his glorious Majesty, to judge both the quick and the dead, we may rise to the life immortal; through him who liveth and reigneth with thee and the Holy Ghost now and ever. Amen.

 

Der Advent - Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Christi

 

Das Book of Common Prayer wurde im 16. Jahrhundert erstellt und 1662 überarbeitet und in seine endgültige Form gebracht. Es wird heute neben anderen neueren liturgischen Büchern in der "Church of England" verwendet.

Dieses Gebet ist das Tagesgebet für den ersten Adventssonntag im Book of Common Prayer. Es soll täglich den ganzen Advent über wiederholt werden und prägt damit diese Zeit. Auf den ersten Blick scheint dieser Text wenig mit dem Advent zu tun zu haben. Und doch enthält er das Entscheidende, was diese Zeit ausmacht. Es richtet unseren Blick auf die Ankunft Christi, die wir erwarten.

 

Zunächst bitten Gott um die Gnade, die Werke der Dunkelheit von uns zu werfen und eine Rüstung des Lichts anzuziehen. Das ist eine sehr bildliche Sprache, die aus dem Römerbrief stammt. Mit diesen Bildern wird uns gesagt, dass wir uns selbst für die Ankunft Christi bereiten müssen. Dass wir die Werke der Dunkelheit, das Schlechte, was wir tun, von uns werfen müssen. Diese Botschaft ist unbequem aber um so bedeutender. Sie gehört zu der Bereitung für Christus dazu. Das ist harte Arbeit. Damit wir diese schwierige Aufgabe bewältigen können, beten wir um Gottes Gnade. Mit seiner Hilfe können wir uns für ihn vorbereiten. Die Worte von der Rüstung des Lichts sind ebenfalls biblisch. Wir müssen nicht nur das Dunkle in uns stoppen sondern Licht werden. Es mag für uns befremdlich erscheinen, dass Paulus damals mit der Rüstung bzw. mit den Waffen, wie die meisten deutschen Übersetzungen schreiben, ein Bild aus dem militärischen Bereich verwendet. Aber vielleicht soll das helfen, die Härte der Anstrengung wiederzugeben. Das klingt wieder so, als ob es uns überfordern würde. Aber hier kann uns ein Bild aus der Adventszeit helfen, nämlich der Adventskranz. Wenn wir im dunklen Raum auch nur die eine Kerze des ersten Adventssonntags anzünden, dann können wir in diesem Raum sehen. Dann ist Licht da. Es ist zwar kein Vergleich zum Sonnenlicht, aber es ist echtes Licht, in dem wir sehen können. Ein bißchen mehr Licht in uns, ein kleiner Funken der Liebe Gottes, der uns entzündet, und es ist Licht, es ist Liebe da. Die nächste Kerze beim Adventskranz, wieder etwas mehr Liebe in uns, ist dann erst der nächste Schritt. So können wir uns für unseren Herrn, unseren Retter, bereiten. Als kleine Kerzen leuchten wir ihm, der Sonne der Gerechtigkeit, entgegen.

 

Allmächtiger Gott, gib uns Gnade, damit wir in diesem sterblichen Leben, in das dein Sohn Jesus Christus gekommen ist, um uns in großer Demut zu besuchen, die Werke der Dunkelheit von uns werfen und uns eine Rüstung des Lichts anziehen. Damit wir am Jüngsten Tag, wenn er in seiner glorreichen Majestät wiederkommen wird, um die Lebenden und die Toten zu richten, auferstehen in unsterbliches Leben. Durch ihn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht, jetzt und für immer. Amen

 

 

 

Zum Bereiten auf Christus gehört die Hoffnung auf seine Ankunft. Die dürfen wir nicht aus den Augen lassen. Im Gebet wird zweimal vom Kommen Christi gesprochen: Von seiner Geburt und seiner Wiederkunft am Ende der Zeit. Zum Advent gehören beide. Wir warten auf die Feier seiner Geburt. Wir warten aber noch mehr auf seine Wiederkunft. Die Geburt war vor ca. 2000 Jahren. Die Wiederkunft wird erst noch kommen. Er hat uns nicht endgültig verlassen, sondern er wird zu uns kommen. Für ihn bereiten wir uns. Seine Wiederkunft ist noch wichtiger als Weihnachten. Auch wenn Weihnachten ein kleines Bild für diese Wiederkunft in Herrlichkeit sein mag. Doch nicht auf dieses Fest warten wir in erster Linie. Wir warten auf Christus selbst. Dafür können wir uns bereiten. Und dafür, bitten wir Gott um seine Gnade, die es uns erst möglich macht, uns zu bereiten. Warten wir so auf ihn! Hoffen wir auf ihn! Leben wir auf ihn hin!

 

Thomas Gerold

 

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