Die Trilogie von C. S. Lewis: Out of the Silent Planet - Perelandra - That Hideous Strength

C. S. Lewis verbrachte den größten Teil seines Lebens in Oxford und Cambridge, wo er Literaturwissenschaft unterrichtete. In der Fachwelt hat er sich einen großen Namen gemacht. Aber wirklich bekannt wurde er durch einen anderen Teil seines Wirkens, nämlich durch seine christliche Literatur. Hier lassen sich mehrere Bereiche unterscheiden. Zunächst sehr lesenswerte Bücher zu christlichen Grundfragen, wie Wundern (Miracles), dem Theodizeeproblem (The Problem of Pain) oder dem Gebet (Letters to Malcolm: Chiefly on Prayer). Diese Werke wurden sehr bekannt. Noch bekannter wurden Lewis` Kinderbücher, die Chronicles of Narnia, die im englischsprachigen Raum echte Klassiker sind. Zum Glück sind sie auch bei uns nicht unbekannt. Weniger bekannt sind Lewis´ weitere Romane. Einem Teil davon, nämlich der im Titel genannten Trilogie möchte ich mich nun besonders widmen.

Die große verbindende Gestalt dieser Trilogie ist der Philologe Elwin Ransom. Er stößt in "Out of the Silent Planet" bei einer Wanderung auf den berühmten Naturwissenschaftler Weston, der zusammen mit einem gewissen Dick Devine ein Raumschiff entwickelt hat. Davon erfährt Ransom allerdings erst auf dem Flug in Richtung Mars, nachdem die beiden ihn gekidnappt haben. Sie wollen ihn den dortigen Eingeborenen übergeben, da die - so glauben sie - ihn unbedingt ihrem Gott opfern wollen. Auf dem Mars - in der dortigen Sprache Malacandra genannt - lernt Ransom nach seiner Flucht die dortigen intelligenten Lebewesen kennen und freundet sich mit ihnen an. Sie sind anders als die Menschen. Nicht nur von ihrem Körperbau her, sondern sie sind ohne Sünde. Sie hatten keinen Sündenfall und leben deshalb anders als wir. Deshalb ist dieses Buch - neben dem natürlich auch vorhandenen Vergnügen - eine interessante Kritik an uns Menschen. Nebenbei lernt Ransom einen der sogenannten Oyarsa kennen, eine Art Erzengel. Damit schlägt Lewis einen Bogen zu frühen christlichen Theologen. Ähnliche Engelfiguren könnten z. B. ganz gut in den Werken von Origenes vorkommen. Dazu kommt ein weiterer Rückgriff auf Weltbilder anderer Zeiten. Der Weltraum erscheint nicht als leere Dunkelheit, sondern als Ort des Lichts, als Ort von Schönheit, ja es handelt sich geradezu um eine Wiederentdeckung des Himmels. Das sind Rückgriffe auf die besten Seiten des mittelalterlichen Weltbildes, die vielleicht von diesem besser erfasst wurden, als vom heutigen, womit sich Lewis übrigens auch in seinem literaturwissenschaftlichen Werk beschäftigt. Dies soll nicht bedeuten, dass hier Lewis die Naturwissenschaft attackieren würde, aber er bringt einen Aspekt ein, mit dem sich das naturwissenschaftliche Weltbild nun mal einfach nicht beschäftigt hat. Und von daher ist dieser Aspekt eine echte Bereicherung.

Die Fortsetzung - die aber auch schon für sich lesenswert ist - ist Perelandra. Ransom muss diesmal zur Venus aufbrechen. Dort wurde gerade eine Venus-Menschheit geschaffen, die noch nicht gefallen ist. Man könnte sagen, er trifft dort die Venus-Eva. Der Teufel erscheint dort nicht in Form einer Schlange, sondern in Form Westons. Man muss hier wohl von einer Neubearbeitung der Sündenfallsgeschichte sprechen. Aber nicht einfach ein Neuaufguss, sondern mit vielen neuen Aspekten. Es ist ein Buch, dass einem zu Denken geben kann.

Der Abschluss ist "That Hideous Strength". Und dieses Buch fällt etwas aus dem Rahmen. Es spielt auf der Erde. Böse Mächte versuchen sie zu unterjochen und bedienen sich dazu angeblich der Wissenschaft. Elemente wie ein von fortschrittsgläubigen und intriganten Wissenschaftlern, die nicht wissen was sie tun, bevölkertes College könnten wohl dem realen Leben entnommen sein. In diesem Buch sind die reale Welt und die übernatürliche Welt aufs engste miteinander verknüpft, was vermutlich dem Einfluss von Lewis` engem Freund Charles Williams zu verdanken ist. Verschiedenste Motive werden aufgenommen. Seien es biblische Motive, wie die babylonische Sprachverwirrung, oder der aus dem Umkreis der Artussagen stammende Merlin. Insgesamt hat das Buch Spannung und Atmosphäre und spricht noch dazu höchst interessante Themen an. Sein einziger Fehler ist, dass es nicht immer ganz zu den anderen beiden Büchern passt. Deshalb sollte es übrigens auch der einmal versuchen, der mit den ersten beiden Büchern nichts anfangen kann.

Insgesamt gesehen zeigt Lewis in den Büchern sowohl seine schriftstellerischen als auch seine theologischen Fähigkeiten. Er erreicht hier zwar noch nicht die Meisterschaft seiner Narnia-Bände, aber die gehören zumindest bei den Kinderbüchern zu den Klassikern schlechthin. Die Trilogie mag nicht ganz in dieser Klasse sein, aber sie ist auf jeden Fall sehr lesenswert.

Thomas Gerold

 

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