Theologie und Glaube - Apostolicum XIII


 

 

Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten

 

 

Christus ist nicht nur zum Vater gegangen, er wird auch wiederkommen. Das bekennen wir. Ein Blick in die Evangelien zeigt: Christus kündigt seine Wiederkunft immer wieder an. Niemand weiß, wann er kommt. Wir können nicht genau sagen, wann es soweit sein wird. Wir wissen nur, dass er kommt.

Die Wiederkunft Christi stößt heute oft auf Unverständnis. Passt sie nicht besser in die alte Vorstellung des Universums mit der Erde als Mittelpunkt. In dieses Weltbild passen dann auch die herabfallenden Sterne etc. . Können wir uns heute einen Gott vorstellen, der irgendwann nicht nur die Geschichte der Menschheit vollendet, sondern auch noch die der ganzen Welt? Diese Anfrage hat eine gewisse Berechtigung. Aber das Zentrum des Glaubens an die Wiederkunft ist, dass er kommt. Nicht, wie sich das genau abspielt. Hier sind die biblischen Ausmalungen auch als Bild zu verstehen, die dieses Geschehen begreiflich machen sollen, nicht als genaue Beschreibung. Kommen aber wird er sehr wohl. Das ist nicht von unserem Weltbild abhängig. Unsere Erwartung erfüllt sich, ganz gleich wie er kommt. Ganz gleich, ob er in oder außerhalb der Zeit, wie wir sie kennen, wiederkommt. Sein Kommen ist das Wichtige. Das bekennen wir als Christen. Er ist nur vorübergehend gegangen. Er lässt uns nicht im Stich. Ob sein Kommen nun den biblischen Bildern gleicht oder nicht, ist zweitrangig. Wir glauben an Christus, nicht an Bilder. Wer allerdings die traditionellen Bilder als lächerlich sieht, sei gewarnt, nicht eine mindestens ebenso große Naivität und Überheblichkeit an den Tag zu legen, wie er sie selbst den Menschen vor zweitausend Jahren vorwirft.

Wir bekennen sein Kommen als Richter und berühren damit eine der umstrittensten Stellen des Credos. Ist das nicht eine schreckliche Botschaft. Kein Grund zur Freude, sondern zur Furcht. Ein Grund, darauf zu hoffen, dass das Christentum falsch ist?

Wenn uns Christi Ankunft als Richter nur erschreckt, sehen wir ihn einseitig. Was beinhaltet die Rolle als Richter? Gerade im Alten Testament taucht der Richter als derjenige auf, der nicht in erster Linie den Bösen bestraft, sondern zunächst einmal den Menschen zu ihrem Recht verhilft. Diejenigen, die Unrecht erfahren haben, und sich nicht selbst wehren können, die warten sehnsüchtig auf den Richter. Zu ihm kommen sie, um Hilfe zu erlangen. Der Richter ist zunächst der Helfende, der Rettende, nicht der Verdammende. Und Menschen, die Hilfe brauchen, die unter Unterdrückung stöhnen, ja darunter zusammenbrechen, die gibt es auch heute genug.

Des Weiteren sehen wir Christus einseitig, wenn wir ihn nur als den Richter sehen. Er ist zunächst unser Retter und Erlöser. Er ist der, der für uns leidet und stirbt, um uns zu erlösen. Er wird nicht ein Richter sein, der kommt, um uns zu verurteilen. Er wird sich bemühen, uns zu retten. Er ist nicht unser Feind, keine Schreckensgestalt, sondern der, der uns weit mehr liebt als jedes Geschöpf. Der, der uns liebt, kommt. Denken wir daran, er ist derjenige, der am Kreuz den Vater gebeten hat, denen zu vergeben, die ihn selbst ans Kreuz geschlagen haben.

Aber natürlich ist Christi Wiederkunft auch eine Herausforderung. Wir wissen, dass wir nicht so sind, wie wir sein können und sollen. Wenn wir Christus sehen, der für uns aus Liebe stirbt, und uns sehen, können wir nicht über diese Diskrepanz hinweg sehen. Die Sünde ist stark in unserem Leben. Zu oft ist sie stärker als die Liebe. Das Gute in uns zu dem wir geschaffen sind, hat nicht immer die Oberhand. Doch die Reaktion auf diese Erkenntnis darf nicht die sein, die Augen zu verschließen. Unsere Reaktion muss die sein, uns aufzumachen und umzukehren. Wir könnten weit besser sein, warum bemühen wir uns nicht, es zu werden? Noch ist die Stunde der Umkehr, nicht die des Gerichts. Darum geht es heute, nicht darum, über unsere Chancen auf Rettung zu spekulieren. Und Christus wird uns in unserem Bemühen unterstützen. Er wird uns helfen. Er ist schließlich nicht gekommen, um zu zerstören sondern um zu retten. Aber wir selbst dürfen ihm diese Rettung nicht unmöglich machen. Noch können wir uns auf jeden Fall für ihn entscheiden.

 

 


 

 

 

Doch ein Wort zum Ausgang des Gerichts ist wohl doch nötig. Es gibt manche, die sagen, Gott würde jeden Menschen retten. Sicher würde keiner verurteilt und verdammt. Andere sagen, die meisten Menschen sind sicher verloren. Manche gehen soweit, dass sie gleich noch eine ganze Reihe von sicheren Kandidaten für die Hölle nennen. Aber bei einem Blick auf die Schrift, scheinen beide Positionen äußerst unsicher. Wir müssen diese Frage offen lassen. Wir müssen und dürfen einerseits auf die Rettung aller Menschen hoffen. Darauf, dass Gott jeden zur Umkehr bewegt und dass die Hölle leer bleibt. Wir glauben und hoffen auch für jeden Menschen, dass er gerettet wird und das Leben in Fülle findet. Aber wir dürfen die Rettung aller Menschen nie als Gewissheit verkaufen. Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass das Gericht kommt und dürfen als Christen nicht verschweigen, dass unser Leben einmalig ist, und es nicht gleichgültig ist, wofür wir es einsetzen. Vielmehr schulden wir es unseren Mitmenschen, sie dazu zu ermuntern, sich jetzt für Christus zu entscheiden und zu ihm umzukehren. Vor allem sind wir von ihm eingeladen, das selbst zu tun. Das ist unsere große irdische Aufgabe. Christus wird uns dabei helfen.

Thomas Gerold

 

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