Theologie und Glaube - Apostolicum XIX




Und das ewige Leben

 

Wir glauben an das ewige Leben. Das scheint eine Doppelung zu sein. Im letzten Artikel wurde die Auferstehung der Toten bekannt, jetzt das ewige Leben. Ist beides nicht nahezu identisch? Muss da beides extra gesagt werden? Nun, im apostolischen Glaubensbekenntnis werden beide eigens erwähnt. Und bei genauerem Hinsehen macht dies sehr wohl Sinn. "Das ewige Leben" sagt mehr als "die Auferstehung" allein. Wir erfahren etwas Zusätzliches und Wichtiges, etwas das zu Recht den krönenden Abschluss dieses Textes bildet.

Die Auferstehung der Toten bedeutet, dass wir als ganze Menschen leben werden und dass nicht etwa nur ein Teil von uns weiterlebt. Gott überlässt uns nicht dem Tod, er lässt uns nicht im Stich, er holt uns daraus heraus, er schenkt uns neues Leben! Doch wie geht es dann weiter? Bekommen wir einfach ein zweites Menschenleben von achtzig Jahren, oder gar tausend oder gar eine Million? Nein, die zeitlichen Begrenzungen hören auf. Wir erhoffen ein ewiges Leben. Wir sind ein für allemal in Gott geborgen, wir sind in ihm geborgen, in ihm, der Leben ist. Uns ist eine Zukunft angekündigt, die keine Ende hat, ein Leben, in dem der Tod nie wieder einen Platz haben wird. Denn das Sterben wird dann Vergangenheit sein.

Doch wie ist ein solches ewiges Leben vorstellbar. Muss es nicht doch einmal zu Ende gehen? Und wenn nicht, ist es überhaupt auszuhalten. Wäre unser Schicksal dann nicht endlose Langeweile?
Nun haben wir leider Ewigkeit noch nie erlebt. Wir kennen nur unsere Zeit, unsere Vergänglichkeit. Den Übergang von Zukunft in Vergangenheit. Ewigkeit könnnen wir uns allenfalls andeutungsweise vorstellen. Gott übersteigt die Zeit. Er ist vermutlich nicht einfach in unserer Zeit, seine Daseinsweise übersteigt unsere Zeit. Sie ist viel mehr und nicht weniger als unsere Zeit. Seine Ewigkeit ist die Fülle der Zeit. Unsere Vorstellungskraft ist hier überfordert. Gottes - auch zeitliche - Fülle können wir nur erahnen, nicht aber uns wirklich vorstellen.
Was hat das nun mit uns zu tun? Folgendes: Wir werden mit Gott in unzertrennlicher Gemeinschaft verbunden sein. Er hat uns zur Einheit in Liebe mit ihm bestimmt. Und da ist es ganz natürlich, dass er uns nicht in der Vergänglichkeit belässt, sondern uns das Tor in seine Ewigkeit eröffnet. In irgendeiner Weise werden wir diese mit ihm teilen. Wir werden mit unserem göttlichen Vater zusammen sein. Und dazu wird er uns in seine Ewigkeit mit hinein nehmen, auch wenn wir uns nicht vorstellen können, wie das aussehen wird. Aber er kann Größeres mit uns tun, als wir es uns irgendwie vorstellen können.

 

 


 

Auch wenn wir uns nicht genau vorstellen können, wie dieser Zustand der Ewigkeit sein wird, so muss es doch auch dort irgendetwas wie Zeit geben. Die Offenheit für Neues muss bleiben. Denn was es weiter geben wird, ist Gemeinschaft. Liebende Gemeinschaft mit dem liebenden Gott ist das Zentrum, das Eigentliche, das Entscheidende. Der Mensch ist dafür geschaffen, um mit dem dreieinen Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Geist in Gemeinschaft zu sein. Gott hat uns ins Leben gerufen, weil er uns liebt, damit er uns lieben kann und damit wir seine Liebe erwidern können. Und dies wird unsere Zukunft sein, ein für alle mal und ohne Ende. Als seine Söhne und Töchter werden wir für immer mit ihm zusammen sein. Und damit verbunden ist das, was für uns Menschen am zweitwichtigsten ist. Zur Liebe zu Gott gehört immer die zu den Mitmenschen, die Gott ebenfalls aus Liebe geschaffen hat und die er ebenfalls liebt. Wir dürfen und müssen auch unsere Brüder und Schwestern lieben, die ebenfalls Söhne und Töchter unseres Vaters sind, und mit denen wir als Glieder des einen Leibes Christus untrennbar zusammen gehören. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies jemals aufhören wird. Ich denke vielmehr, dass dies unser großes Ziel ist. Es ist die ewige Gemeinschaft in Liebe mit Gott und mit unseren Brüdern und Schwestern. Das ist unsere Zukunft, auf die wir hoffen dürfen, wenn wir im apostolischen Glaubensbekenntnis das ewige Leben bekennen.

Thomas Gerold

 

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