Theologie und Glaube - Apostolicum I


 

 

Ich glaube an Gott

 

Der Anfang des Glaubensbekenntnisses ist sehr kurz und seine Bedeutung scheint klar auf der Hand zu liegen. Doch bei etwas Nachdenken wirft er Fragen auf: Zunächst: Wer ist eigentlich Gott? Das wird im Verlauf der Serie klarer werden. Schon beim nächsten Mal, bei "den Vater" werden wir uns ihm nähern. Deshalb konzentriere ich mich diesmal auf die Frage: Was heißt: "Ich glaube"?

Was also meinen Christen, wenn sie sagen "ich glaube an Gott"? Heißt das nur: "Ich halte es für wahr, daß es Gott gibt"? Das gehört sicher dazu. Aber es genügt nicht. Der Glaube kann sich nicht nur auf den Verstand des Menschen beschränken, sonst ist er kein echter Glaube. Dazu gehört nämlich auch ein "JA" zu Gott. Nicht nur zu sagen: Es gibt Gott. Und sich dazu zu denken, daß geht mich nichts weiter an. Sondern auch zu sagen: Du bist mein Gott. Nicht in dem Sinn, der Gott, der mir gehört, sondern in dem Sinn, der Gott, dem ich gehöre. Zu dem ich gehöre. Dem ich vertraue und nach dem ich mein Leben ausrichte.

Diese Ausrichtung des eigenen Lebens auf Gott ist nicht nur eine Nebenbeschäftigung, sondern die entscheidende Aufgabe für das ganze Leben. Dieses Glauben erschöpft sich nicht im Besuch eines Sonntagsgottesdienstes, sondern muß unter der Woche weitergehen und alle Bereiche des Lebens durchdringen. Wie das im einzelnen aussieht, ist sehr unterschiedlich. Manch einer wird Mönch oder Nonne, andere heiraten und leben als Verheiratete ihren Glauben. Manche ergreifen Berufe in der Kirche, andere bemühen sich z. B. Wirtschaftsleben und Christsein zu verbinden. In all diesen Bereichen gelingt das natürlich nicht immer. Und Glaube hat auch nichts mit Erfolg in der Welt zu tun. Privates oder berufliches Scheitern zeugt nicht von schlechtem Glauben, sondern ist eine besondere Herausforderung. Es ist kein Zeichen für Christen zweiter Klasse. Immerhin predigte Christus ganz besonders zu den Gescheiterten.

Zum Glauben gehört Vertrauen auf Gott. Vielleicht ermöglicht es erst, sich voll und ganz auf Gott einzulassen. Kann man sich jemandem anvertrauen, dem man nicht vertraut? Nun gibt es viele, die Gott nicht vertrauen. Kann man ihnen das vorwerfen? Ich denke nicht. Das Vertrauen auf Gott ist nicht so einfach möglich. Es ist - wie der Glaube insgesamt - in erster Linie Geschenk Gottes und keine menschliche Leistung. Das gilt sowohl für die Gewißheit seiner Existenz als auch für das Vertrauen auf ihn. Und Gott schenkt dieses Geschenk zu dem Zeitpunkt, zu dem er es für richtig hält. Nur muß der Mensch dieses Geschenk auch annehmen. Er muß dafür offen sein. Manchmal hat er schon von Kindheit an die Gelegenheit, in diese Beziehung zu Gott hineinzuwachsen. Manchmal muß er sich selbst auf die Suche machen, ohne zunächst zu wissen, wonach er sucht. Bis er dann merkt, daß sich hinter dem undefinierbaren Sinn des Lebens Gott verbirgt. Man muß ganz danach suchen und vor allem alles, was im Weg ist, also die falschen Götter, entfernen. Das sind meist nicht irgendwelche Götter wie einst Zeus, sondern Geld, Macht, Karriere und ähnliches. Sie müssen zwar nicht aus dem Leben verbannt, aber an den richtigen Platz gestellt werden. Sie sind nicht das große Ziel, sondern nur ein paar Hilfsmittel auf dem Weg. Wenn sich dann der eigene Glaube zu entwickeln beginnt - wenn auch immer mit Rückschlägen - dann lernt man seine tröstende und seine fordernde Seite kennen. Tröstend; denn es ist immer eine Hilfe, wenn der, der hinter der Welt steht, zu einem steht. Fordernd; denn wenn man jemandem ganz traut, dann kann man ihn nicht mehr ignorieren. Dann ist er ein Faktum im eigenen Leben. Dann muß man das eigene Leben an ihm ausrichten.

 

 

 

 

Vielleicht mag sich mancher Leser fragen: Lebt der Verfasser dieses Beitrags eigentlich selbst, was er sagt? Das Dilemma mit dem Christentum ist: Es ist besser, als es jemand vorleben könnte. Würde ich nur das niederschreiben, was ich selbst schon voll geschafft hätte, dann würde ich den Glauben auf das reduzieren, was ich selber leisten kann. Und das, obwohl Gott unser Maßstab ist und kein Mensch. Als Christen sind wir gemeinsam auf dem Weg. Auf Erden sind wir auf der gemeinsamen Pilgerschaft. Alle mit unseren Stärken und Schwächen. Und mit den wenigen Stärken, die wir haben, müssen wir uns eben gegenseitig helfen, so gut es eben geht.

Ich möchte meine Leser dazu einladen, das Glauben zu versuchen. Die Schritte, die man dafür zu gehen hat, sind unterschiedlich. Derjenige, der kein Christ ist, kann versuchen das Christentum kennenzulernen. Der Christ kann sich fragen: Wie weit geht mein Glaube? Bedeutet er etwas für mein Leben? Dieses Wagnis wird von Zweifeln und Rückschlägen begleitet sein. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen; denn ich bin zutiefst davon überzeugt, daß Gott zu uns hält.

Thomas Gerold

 

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