Theologie und Glaube - Apostolicum XVI


 

 


Gemeinschaft der Heiligen

 

 

Was bekennen wir mit der Gemeinschaft der Heiligen? Man könnte denken, es ginge dabei um die Heiligenverehrung, wie sie heute gerade im römisch-katholischen oder im orthodoxen Raum bekannt ist, mit ihren Gedenktagen, Wallfahrtsorten, Namenspatronen u.s.w.? Aber es geht um etwas sehr viel Bedeutenderes. Die Gemeinschaft der Heiligen, von der im Credo die Rede ist, gehört zum Zentrum des Christseins. Schon Paulus sprach von Heiligen. Er meinte damit in seinen Briefen aber nicht einzelne, besonders herausgehobene Christen, schon gar nicht besondere, heiliggesprochene Verstorbene, das gab es zu seiner Zeit nicht, sondern er meinte jeden Christen. Nach Paulus dürfen wir also sehr viel mehr Menschen als Heilige bezeichnen als es heute üblich, nämlich jeden Christen.

Wie kann man eigentlich dazu kommen, überhaupt Menschen Heilige zu nennen? Jeder Mensch ist Sünder. Die einzige Ausnahme ist Christus. Machen es nicht unsere Sünden, zu denen täglich neue hinzukommen, völlig unmöglich, Menschen als Heilige zu bezeichnen? Und hier spielt es keine Rolle, ob man jeden Christen zu den Heiligen rechnet oder nur einzelne. Auch von den noch so sehr verehrten Heiligen gibt es keinen, der ohne Sünde war. Hat sich Paulus also geirrt? Sind hier die Schrift und das Credo unzuverlässig?

Nein, die Schrift trügt nicht! Wir sind Heilige. Aber, und das ist wichtig, nicht auf Grund unserer Leistungen. Nicht weil wir ohne Sünde wären oder weil wir soviel Großartiges vollbringen. Zu den Heiligen Gottes gehören wir, weil der eine Heilige, Gott selbst, uns beansprucht. Gott schenkt uns durch Christus die Gemeinschaft mit ihm. Weil wir zu ihm gehören, dem einen Heiligen, deshalb sind wir heilig. Nicht aus eigener Kraft. Unsere Heiligkeit ist ein reines Geschenk, sie ist reine Gnade Gottes, nicht verdient, sondern geschenkt. Wir sind Heilige durch Christus, unseren Herrn, nicht durch uns. Deshalb ist es auch unsinnig, überhaupt auf die Idee zu kommen, man könnte sich die Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft der Heiligen durch gute Taten verdienen. Das ist unmöglich. Aber wir dürfen uns vom liebenden Gott beschenken lassen. Durch ihn allein zählen wir zu den Heiligen, weil wir ihm zugehörig sind.

 


 

 

 

 

Nun sprechen wir nicht nur von den Heiligen als einzelne, sondern auch von deren Gemeinschaft. Wir sind nicht einfach isoliert für uns heilig, sondern gemeinsam. Gott will unsere Gemeinschaft. Er stiftet eine solche zwischen uns. In Christus sind wir als ein Leib geeint. Als Kinder Gottes sind wir eine Familie, sind wir Brüder und Schwestern. Dieser Gemeinschaftsaspekt ist wichtig. Als Christen, als die, die zu Christus gehören, müssen und dürfen wir uns als Einheit verstehen. Selbstverständlich darf das nicht zu Lasten unserer Einheit mit Gott gehen, die ist zentral und die Grundlage. Aber weil wir durch Christus mit dem Vater vereint sind, werden auch wir zur Gemeinschaft. Das schließt auch die Heiligen mit ein, die schon verstorben sind. Wer in Christus stirbt, fällt nicht aus der Gemeinschaft heraus. Auch diese Verstorbenen gehören zur Gemeinschaft der Heiligen. Und auch wir werden nicht aus ihr herausfallen, wenn auch wir eines Tages in Christus sterben.

Thomas Gerold

 

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