Theologie und Glaube - Apostolicum IV


 

Den Schöpfer des Himmels und der Erde

 

Gott hat Himmel und Erde geschaffen. Himmel und Erde sind von Gott gemacht. Damit sind sie gut. Auch der Mensch gehört zu dieser Schöpfung und ist damit etwas Gutes. Der Christ kann nicht anders als die Schöpfung zu bejahen, denn der gute Gott hat sie gemacht.

In der Frühzeit des Christentums wurde dies von den sogenannten Gnostikern bestritten. Sie hielten die Schöpfung für etwas Schlechtes. Man behauptete sogar, es gäbe einen zweiten Gott, einen bösen Schöpfergott, der die Welt geschaffen hätte. Doch die Kirche sah das damals schon anders. Sie bekannte und bekennt seitdem ausdrücklich Gott als den Schöpfer.

Dass Gott uns und alles andere geschaffen hat, ist ein Grund dankbar zu sein. Alles, was wir sehen, geht auf Gott zurück. Er hat Sonne, Mond und Sterne, die uns leuchten, geschaffen. Ohne ihn gäbe es kein Licht. Wenn wir sehen, haben wir Grund ihm zu danken. Er hat die Luft geschaffen, die wir atmen. Er hat das Wasser geschaffen, das wir trinken. Er hat durch einen viele Milliarden Jahre langen komplizierten Prozess Menschen geschaffen, die uns lieben können und die wir lieben können. Alles Gute hat Gott geschaffen. Wir haben andauernd Grund ihm zu danken und ihn zu preisen.

Die Schöpfung ist gut. Doch dürfen wir sie deshalb nicht ins Zentrum stellen. Sie ist gut, doch Gott ist besser. Das darf nicht dazu führen, dass wir - weil es mit Gott etwas noch besseres gibt - sie verachten. Aber wir dürfen uns auch nicht auf sie beschränken, sondern müssen uns durch sie weiter zu ihrem Schöpfer leiten lassen. Gott ist ja ihr Schöpfer. Er, der die Liebe ist, hat sie gemacht. Er ist viel größer und herrlicher als sie. Mit der Schöpfung hat er uns eine Hilfe gegeben ihn zu finden.

Könnten wir ihn, das Licht in dem keine Finsternis ist, auch nur erahnen, wenn er uns nicht das Sonnenlicht geschaffen hätte? Könnten wir Gott, den Vater, verstehen, wenn er uns nicht irdische Väter und Mütter geschaffen hätte? Das irdische Licht, die irdischen Eltern und viele seiner anderen Werke sind nur schlechte Bilder ihres göttlichen Vorbilds, dennoch helfen sie uns so auf dem Weg zu Gott. Ohne sie könnten wir uns nur schwer Gott nähern. Mit der Schöpfung hat Gott uns geradezu eine Leiter zu ihm gebaut. Auch wenn wir sie nur mit seiner Hilfe benutzen können, ist sie ein Teil seines Plans uns zur vollen Gemeinschaft mit ihm zu führen. Er hat seine Schöpfung auch dafür geschaffen, um uns, seine geliebten Geschöpfe, zur ewigen Gemeinschaft mit ihm und untereinander zu führen. Er liebt uns so sehr, dass er seine Schöpfung auf uns abgestimmt hat.

Die Schöpfung hat aber auch Schwächen. Bei einem der Teil der Schöpfung liegt der Grund klar auf der Hand, nämlich bei uns selbst. Wir sind nicht so gut, wie wir sein könnten. Wir richten vieles an, was wir besser machen sollten. Wir zerstören unsere Umwelt, wir lieben uns mehr als die Mitmenschen, ja wir hassen sie manchmal sogar. So machen wir uns und ihnen das Leben schwer. Wir Menschen sind ein Teil des Problems. Bei aller Einsicht in die Schlechtigkeit des Menschen, dürfen wir aber nicht den Fehler machen, den Menschen für ganz schlecht zu halten. Er ist und bleibt Werk Gottes. Auch gibt es nichts, was wirklich zum Menschen gehört, was schlecht wäre. Das gilt z. B. auch für die menschliche Sexualität. Sie ist von Gott geschaffen. Nicht umsonst ist die Ehe keine menschliche Einrichtung, sondern von Gott geschaffen. Nur das Böse ist ganz schlecht. Es ist die Entscheidung des Geschöpfs gegen den Schöpfer. Es ist die Entscheidung des Menschen gegen Gott. Es ist der Ausstieg aus der liebenden Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen. Es ist die Übersteigerung des eigenen Selbst und damit die Entscheidung gegen alles andere. Das ist das Böse. Auch wenn wir es in jedem Menschen finden, so gehört es nicht zu ihm. Es verdirbt den Menschen. Wir müssen es überwinden. Unsere Aufgabe ist es nicht, den Menschen wegen seiner Schlechtigkeit zu verachten, unsere Aufgabe ist es Gottes Willen zu entsprechen und gut zu sein. So gut wie wir es irgendwie schaffen.

Bei allem Nachdenken über das Schlechte im Menschen sollten wir nicht verzweifeln. Wenn wir nämlich nach dem Guten im Menschen suchen, werden wir genauso fündig. Es gibt viel Gutes im Menschen. Die Meisterhand Gottes lässt sich durchaus noch erkennen. Ein Ausspruch von George MacDonald mag hilfreich sein: "Gott ist schnell zu erfreuen, aber schwer zufrieden zu stellen." Zufrieden ist er mit unserem Zustand noch nicht. Aber er freut sich über alles, was gut geht. Und wir dürfen uns mit ihm über das Gute in uns Menschen freuen.


 

 

 

Bei anderen Teilen der Schöpfung haben wir mehr Probleme. Vieles kann schlechtes bewirken, obwohl es doch an sich gut ist. So schön und beeindruckend die Berge sind, warum müssen in ihnen Menschen sterben? So wunderbar der Anblick der Bäume ist, warum müssen sie im Sturm Menschen erschlagen? Hier stehen wir vor Rätseln. Gibt es mehr Wesen - die Tradition denkt hier oft an den Satan, ein ursprünglich gut geschaffenes Wesen, das sich gegen das Gute entschieden hat - , die ihre Freiheit missbrauchen und die Schöpfung verderben, obwohl sie gut sein könnten? Oder liegt es an Notwendigkeiten, die auch für Gott gelten? Muss er nicht die Möglichkeit sich für das Böse zu entscheiden gewähren, damit sich Menschen frei für oder gegen ihn entscheiden können? Muss er nicht Gefahren schaffen, damit sich Menschen in der Auseinandersetzung damit zu Persönlichkeiten entwickeln können? Muss er nicht von vielem Guten nur eine begrenzte Menge machen, wenn er uns die Möglichkeit geben will, im gegenseitigen Beschenken ein Handeln aus Liebe einzuüben? Möglichkeiten gibt es hier viele. Doch wer wollte behaupten diese Frage wirklich zu beantworten. Beim menschlichen Bösen verstehen wir die Probleme nur ungefähr. Wir haben eine Ahnung, aber die Hartnäckigkeit, mit der sich die Menschen an das Böse klammern, bleibt unverständlich. Nun sind wir selbst Menschen und wissen so ungefähr, wie es ist, ein Mensch zu sein. Bei der übrigen Schöpfung fehlt uns dieses Wissen. Wie sollten wir da mit unserem Verstand all zu weit kommen? Aber die oben erwähnten Überlegungen zeigen auf, wo Ansätze für eine Lösung liegen können. Das ist viel. Und meist zeigt er sich ja von der Seite, die wir klar als sehr gut erkennen. Z. B. in der Schöpfung und in der Offenbarung durch Christus. Wenn wir dann auch noch erste Ahnungen einer Lösung für die bleibenden Probleme haben, dann ist es genug, um darauf zu bauen, dass Gott Gründe hat, die uns eines Tages zufrieden stellen werden.

Noch ist Gottes Werk auch noch nicht beendet. Nach christlicher Überzeugung steht die Vollendung der Welt noch aus. Wie deutlich sehen wir das nicht an uns? Wir wissen, dass wir noch verbesserungswürdig sind. Gelegentlich stellen wir auch an uns fest, dass wir es schaffen uns weiterzuentwickeln. Warum sollte es mit der übrigen Schöpfung anders aussehen? Vielleicht ist die übrige Schöpfung für uns sogar so etwas wie eine Aufgabe. Sie ist uns - soweit unsere Möglichkeiten reichen - anvertraut. Wir können sie so gestalten, wie wir glauben, dass es Gottes Willen entspricht. Und Gott meint mit gestalten sicher nicht zerstören. Diese menschliche Aufgabe, diese große Verantwortung, gilt es besser wahrzunehmen. Dann können wir uns vielleicht noch besser als jetzt, über die Schöpfung freuen.

In und als Teil der Schöpfung, die uns als Geschenk und Aufgabe gegeben ist, dürfen wir auf unseren himmlischen Vater hoffen. Wir dürfen erwarten, dass er alles vollenden wird. Solange diese Vollendung noch aussteht, dürfen wir uns über das Wunderbare freuen, was uns geschenkt ist. Wir dürfen uns darin entfalten. Wir dürfen und müssen die Welt gestalten. Soweit wir es eben können. Wir können selber daran arbeiten das Gute, das Gott geschaffen hat, ein bisschen besser sichtbar zu machen. Gott hat uns diese Welt dafür anvertraut. Er lässt sie uns gestalten und bewahren. Welch große Herausforderung! Welch großes Vertrauen Gott ins uns gesteckt hat! Weiter dürfen wir Gott als Schöpfer bekennen. Wir dürfen uns an seiner Schöpfung freuen. Wir müssen versuchen so zu leben, wie er uns will. Das dürfen wir in dem Wissen von ihm, der uns und seine ganze Schöpfung ins Leben geliebt hat, geliebt zu werden. Wenn wir uns dessen bewusst sind, wird es uns Kraft schenken auf Gott hin zu leben, es wird uns helfen diese Liebe zu erwidern und sie weiterzuschenken, und es wird uns Hoffnung auf diese Liebe schenken, die allen Widrigkeiten trotzen kann. Der Schöpfer hat uns ins Leben geliebt. Das ist Grund zur Freude.

Thomas Gerold

Zurück zu "Den allmächtigen"
Weiter zu "Und an Jesus Christus"

 

Weitere Artikel außerhalb der Glaubensbekenntnis-Serie:

Theologie und Glaube - Startseite

Copyright by Q.E.D. 14.03.2003