Theologie und Glaube - Apostolicum III


 

Den allmächtigen

 

Wir bekennen Gott als den allmächtigen. Was aber ist allmächtig? Kann Gott alles? Gibt es nicht so vieles in der Welt, was er besser machen könnte?

Wir kennen die Möglichkeiten Gottes nicht genau. Sie übersteigen unser Denken. Er kann mehr, als wir uns vorstellen können. Was er tut, übertrifft unsere Vorstellungskraft.

Eine Grenze seiner Macht, dürfte aber in der Widersprüchlichkeit unserer Wünsche liegen. Wollen wir Freiheit oder jemanden, der uns vollständig kontrolliert und uns vor jeder Dummheit behütet? Wenn wir Freiheit wollen, müssen wir damit leben, dass sie auch missbraucht wird. Wenn Gott es uns ermöglicht, uns mit unseren Armen entweder gegenseitig zu umarmen oder zu schlagen, dann können wir eben beides. Damit müssen wir dann leben. Damit muss dann auch Gott leben. Er kann uns nicht gleichzeitig die Freiheit geben und vorenthalten. Er steckt in dem gleichen Dilemma wie die irdischen Väter und Mütter. Damit die Kinder zu Persönlichkeiten wachsen können, brauchen sie Freiheit. Sie dürfen nicht vollständig kontrolliert werden. Ein Beispiel - vielleicht das Beispiel schlechthin - für Gottes Umgang mit den bösen Taten der Menschen ist der Tod Jesu. Gott hat ihn nicht vor der Kreuzigung gerettet, aber er hat ihn von den Toten auferweckt. Gott hat das menschliche Böse auf eine die menschlichen Erwartungen übertreffende Weise besiegt.

Die Freiheit seiner Geschöpfe dürfte die eine große Grenze von Gottes Macht sein. Die andere ist die: er muss uns so etwas wie eine feste und berechenbare Welt geben. Nur darin können wir uns bewegen und zurecht finden. Würde uns die Wand einmal durchlassen und gleich darauf nicht, dann könnten wir uns nicht zurecht finden. Er mag diese festen Gesetzte durchaus manchmal durchbrechen - vielleicht sollten wir besser sagen übertreffen - aber andauernd kann er dies nicht tun. Er gleicht hier wieder den irdischen Vätern und Müttern. In der Familie gibt es feste Regeln. Z. B. die, dass die Kinder zu einer gewissen Zeit schlafen müssen. Aber im Ausnahmefall, z. B. an Silvester, darf das Kind länger wach bleiben. Auch Gott kann Ausnahmen machen. Vielleicht als Zeichen seiner Gegenwart. Aber sie können nicht zur Regel werden.

 

 

 

Manchmal fragen wir uns natürlich, ob Gott nicht unverantwortlich handelt, wenn er Menschen wie uns Freiheit gibt. Wir sehen ja, was dabei heraus kommt. Die Menschen nutzen die Freiheit, um sich allergrößtes Leid anzutun. Beim Lesen der Geschichtsbücher oder beim Blick in die Fernsehnachrichten hat man das Gefühl, das wäre die Hauptbeschäftigung der Menschheit. Kann es richtig sein, dem Menschen diese Macht zu geben? Es erscheint uns auf den ersten Blick undenkbar, aber wir wissen nicht, was er alles mit uns Menschen vor hat. Er ist der Allmächtige. Aber er ist nicht nur allmächtig, sondern auch unser guter Vater. Vielleicht ist das, was er mit uns vorhat, so großartig, dass es all unser irdisches Leid rechtfertigt. Das soll nicht heißen, Gott würde Menschen für ein höheres Ziel opfern. Er sorgt sich um jeden einzelnen. Er kann den Weg eines jeden Menschen, der sich auf ihn einlässt an das Ziel, das vielleicht erst Anfang des wahren Lebens ist, führen.

Wir können beruhigt sein; denn unser Vater ist allmächtig. Es gibt keinen Feind - Krankheit, Mensch oder Teufel - der auch nur annähernd so mächtig ist, wie er. Gott kann uns helfen. Niemand kann ihn daran hindern. Er wird uns helfen. Großartiger und besser als wir es uns vorstellen können.

Thomas Gerold

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