Theologie und Glaube - Apostolicum XII


 

 

Aufgefahren in den Himmel; er sitzt zu Rechten Gottes des allmächtigen Vaters

 

Die Himmelfahrt Jesu stellt den heutigen Menschen oft vor besondere Probleme. Manche fragen: "Wie kann man heute im Zeitalter der Raumfahrt noch an eine Himmelfahrt glauben? Früher mag so eine Vorstellung naheliegend gewesen sein. Man glaubte schließlich, Gott wäre im Himmel über uns. Eben in dem Himmel, den wir mit unseren Augen sehen." Ob es früher ganz so einfach war, können wir ruhig dahingestellt lassen. Wir sind oft in Gefahr die früheren Generationen zu unterschätzen. Aber zumindest für viele Menschen war früher tatsächlich der sichtbare Himmel der Himmel, in dem Gott in seiner Herrlichkeit herrscht. Heute haben wir immer noch die Vorstellung eines solchen Himmels, an dem Gott in besonderer Weise gegenwärtig ist, aber er ist vom physischen Himmel getrennt. Es ist sogar fraglich, inwieweit das Wort "Ort" dafür angemessen ist. Für die Alten gab es diese Trennung nicht unbedingt. Für sie war es nicht nötig zwischen dem Himmel über uns und dem Ort bzw. dem Zustand der besonderen Präsenz Gott zu unterscheiden. Das machte es früher leichter, sich dieses Unvorstellbare vorstellbar zu machen. Der herrliche Himmel über uns verwies damit noch deutlicher als für uns auf den noch weitaus herrlicheren Himmel, auf die Herrlichkeit Gottes. So konnten sich die früheren Generationen auch den eigentlichen Inhalt der Himmelfahrt Christi besser vorstellbar machen: Mit einer Himmelfahrt in den physischen Himmel konnten sie Jesu Gang zum Vater verstehen. Hier können wir getrost offenlassen, ob sich Christus selbst ebenfalls dieser Vorstellungswelt bediente und sich so, wie in der Beschreibung in der Apostelgeschichte verabschiedete. Auch er musste schließlich auf die Denkweise seiner Jünger Rücksicht nehmen, um von ihnen verstanden zu werden. Ausschließen würde ich es keinesfalls. Aber das Zentrum ist: Christus ist zum Vater gegangen. Zum Schöpfer des Himmels und der Erde. Zu dem, der ihn auf Erden gesandt hat. Das macht auch der nächste Satz deutlich: "Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters." Er ist da, wo der Vater ist.

Jesu Himmelfahrt sein Beim- Vater- Sein zeigt, was der Mensch ist - geschaffen für die Gemeinschaft mit Gott - und wie wichtig er für Gott ist. Es zeigt, dass Gottes Ja zum Menschen nicht widerrufen wird. Vor seiner Himmelfahrt ist Christus schließlich auferstanden und zwar mit seinem Leib. Er hat seinen Leib nicht abgelegt. Seinen Leib hat er zum Vater mitgenommen. Wie er dies getan hat, wissen wir nicht. Die menschliche Vorstellungskraft ist zu klein, um Gottes Handeln immer ganz zu verstehen. Aber er hat es getan. Und Christus hat nicht nur seinen Leib mitgenommen, sondern sein ganzes Menschsein. Die Menschwerdung wurde gerade nicht rückgängig gemacht. Christus der Mensch ist genauso beim Vater wie Christus der Gott. Ein Mensch ist zum Vater gegangen. Ein Mensch ist ganz mit ihm vereint. Er sitzt zur Rechten des allmächtigen Vaters. Von dort wird er alle an sich ziehen (was bei Johannes von Christi Erhöhung am Kreuz gesagt wird).

 


 

 

 

Dennoch ist der Leib Christi aber auf jeden Fall auch hier auf Erden. Weil der Leib aus uns besteht. Wir, die Glieder seines Leibes, sind hier. Wir Christen sind sein Leib und doch ist Christus beim Vater. Er ist unser Haupt, wir gehören ganz zu ihm, zu ihm, der ganz beim Vater im Himmel ist. Damit sind auch wir dort präsent. Der, zu dem wir ganz gehören, ist dort beim Vater. Das ist vielleicht der stärkste Hinweis, dass er uns nachholen wird. Unser eigentlicher Platz ist dort und nicht hier. Christi Beziehung zu diesem Leib, der aus uns besteht, wird von uns Christen heute zu leicht verdrängt. Gerade im Hinblick auf seine Himmelfahrt liegt es nahe, in Christus nur den Fernen zu sehen. Aber er ist nicht nur fern, er ist zugleich ganz nah. Er sagt uns: "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,20) So nah, dass wir eben sogar als Leib zu ihm gehören. Das ist vielleicht zu nah, um ihn so einfach zu erkennen. Ähnlich wie wir auch uns selbst am schlechtesten sehen, weil wir uns selbst zu nah sind. Und doch wird mit seiner Nähe nicht bestritten, dass Christus im Himmel ist. Unser Haupt ist dort und zugleich sind wir ihm nah. Letztendlich hat mit Christus die strikte Trennung zwischen beiden aufgehört. Wir gehören zu dem, der im Himmel ist, und der zur Rechten des Vaters sitzt.

Thomas Gerold

 

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