Theologie und Glaube - Apostolicum XVIII




Auferstehung der Toten

 

Wir bekennen die Auferstehung der Toten. Vorher haben wir uns schon mit einer anderen Auferstehung, nämlich mit der Jesu Christi beschäftigt. Sie hängt mit dem Thema dieses Abschnitts untrennbar zusammen. Christus ist vor ca. 2000 Jahren auferstanden. Unsere Auferstehung steht dagegen noch aus. Sie wird erst noch kommen.

Verstehen können wir die kommende Auferstehung am ehesten durch einen Blick auf Jesus Christus. Er ist nicht nur wahrer Gott, sondern genauso wahrer Mensch, ja sogar der Mensch schlechthin. Der einzige Mensch, der genau so Mensch ist wie Gott ihn gewollt hat, ist Christus, der einzige Mensch ohne Sünde. Seine Auferstehung zeigt, dass Gott nicht will, dass der Mensch dem Tod unterworfen ist. Sie macht deutlich, dass die Macht des Todes damals gebrochen wurde und dieser die Menschen nur noch zeitlich begrenzt unter Kontrolle halten kann. Nicht umsonst nennt Paulus Christus den Erstgeborenen von den Toten. Der Erstgeborene ist zwar der erste, und damit etwas Besonderes, aber dennoch werden die weiteren Söhne und Töchter in ähnlicher Weise geboren.

In der Schrift finden wir keine Schilderung der Auferstehung Jesu. Bei diesem Ereignis war niemand dabei. Er lag zu diesem Zeitpunkt allein im Grab. Wir haben aber Zeugnisse der Begegnung mit dem Auferstandenen. Die vermutlich ältesten stehen in den Schriften von Paulus. Er stellt klar, dass der Auferstandene vielen Jüngern erschienen ist. Für das Verständnis unserer Auferstehung besonders wichtig sind die Zeugnisse der Evangelien. Dort finden wir Hinweise, dass Jesus mit seinen Jüngern nach der Auferstehung Mahl hielt, dass er mit ihnen aß, und bei Johannes sogar, dass er dem zweifelnden Thomas anbot, ihm doch die Hände in die durchbohrte Seite zu legen. Jesus erschien nicht einfach als Geist, sondern mit seinem Leib. Dieser gehört eindeutig zu ihm. Und es war nicht einfach ein völlig neuer Leib; denn das Grab Jesu war leer. Dort lagen nur noch die Tücher, mit denen man ihn begraben hatte. Das ist in den Evangelien selbstverständlich, und auch wenn einige sogenannte Exegeten selbst das leere Grab bestreiten, so sind diese Zweifel eher eine neue Erscheinung. Es wäre zu erwarten gewesen, dass man sie, wenn sie zutreffen würden, schon wesentlich früher, nämlich in der Antike, geäußert hätte, um dem Christentum schon kurz nach seiner Geburt den Gar auszumachen. Vermutlich wäre, wenn diese Vorwürfe glaubhaft wären, das Christentum nie über Jerusalem hinaus gekommen.

Die leibliche Auferstehung Christi gibt uns einen wichtigen Hinweis für das Verständnis unserer noch ausstehenden Auferstehung: Auch da ist der Leib miteinbezogen. Sie ist mehr als ein Weiterleben der Seele. Es geht um den ganzen Menschen, nicht nur um einen Teil davon. Der Glaube an eine unsterbliche Seele war in der Antike nichts Besonderes. Ein Beispiel dafür ist Platons Phaidon. Aber die Auferstehung des ganzen Menschen war in der antiken Welt etwas Neues, ja sogar etwas, das den Vorstellungen der damaligen Philosophen widersprach.

 


 

Der Glaube an die Auferstehung des ganzen Menschen verändert das Menschenbild grundlegend. Durch die Einbeziehung des Leibes wird dieser sehr hoch geschätzt. Während er in der Antike oft als lästiges Anhängsel des Menschen galt, sogar als Grab der Seele, wird er im Christentum immens aufgewertet. Denn das Beispiel Jesu zeigt, er gehört ein für allemal und für immer zum Menschen. Gott hat den Menschen mit einem Leib gewollt. Ja in Christus, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist, ist ein Leib untrennbar mit dem dreieinen Gott geeint. Die Verachtung des Leibes widerspricht dem christlichen Glauben. Diese Einsicht war der Christenheit nicht immer präsent und auch heute hat sie sich noch nicht überall herumgesprochen, aber sie ist eine Folge des Glaubens an den Auferstandenen. Dennoch bietet der christliche Glaube auch keinen Grund, die augenblicklichen Probleme des Leibes zu verharmlosen. Dieser ist genauso von der Sünde betroffen, wie der übrige Mensch auch. Und wie sehr gerade der Leib von Mühsal, Krankheit und Leid betroffen ist, ist jedem einsichtig, der sich in der Welt auch nur ein wenig umsieht. Durch den Leib wird der Mensch sicher nicht gerettet, genauso wenig übrigens durch die Seele, sondern allein durch Christus, unserem Retter.

Aber gehören unsere menschlichen Leiber überhaupt in den Himmel? Passen sie dorthin? Sie machen doch einen sehr irdischen Eindruck. Und gelegentlich sind wir mit ihnen auch weniger gesegnet als vielmehr geplagt. Wäre eine nicht-leibliche Auferstehung nicht besser? Das wäre dann richtig, wenn wir unsere körperlichen Probleme einfach mit in den Himmel nehmen würden. Doch gibt es in der Schrift genügend Hinweise, dass unser Leib nicht so bleiben wird, wie er jetzt ist. Paulus spricht, was immer er damit meint, von einem "geistlichen Leib". Jesus geht als der Auferstandene durch die verschlossenen Türen. Und wenn Krankheit und Tod Früchte der Sünde sind, dann sind sie mit deren Überwindung ebenfalls verschwunden. Unser Leib wird in die kommende Herrlichkeit miteinbezogen werden. Er wird zu etwas Wunderbarem werden, aber dabei zugleich er selbst bleiben. Er gehört zu dem Herrlichen, das Gott für uns bereitet, und das alles weit überschreitet, was wir uns vorstellen können.

Thomas Gerold

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