Theologie und Glaube - Apostolicum XI


 

 

Am dritten Tage auferstanden von den Toten

 

"Christus ist auferstanden." Dieser Satz steht im Zentrum des christlichen Bekenntnisses. Der gekreuzigte, gestorbene, in das Reich des Todes hinabgestiegene Christus ist auferstanden. Im letzten Abschnitt haben wir die größtmögliche Hoffnungslosigkeit, den von Gott verlassenen Christus, seine Höllenfahrt kennengelernt. Er ist in die Hoffnungslosigkeit hinabgestiegen und hat dadurch den Hoffnungslosen in der Dunkelheit des Todes Hoffnung gegeben. Jetzt ist er dem Tod entrissen. Christus ist auferstanden.

Die Auferstehung Jesu ist biblisch gut belegt. Am Ende jedes Evangeliums finden sich unterschiedliche Berichte von Begegnungen mit dem Auferstandenen. Sie alle legen Zeugnis von diesem großen Ereignis ab. Auch Paulus, dessen Briefe wohl die ältesten Texte des Neuen Testaments sind, bezeugt schon die Auferstehung. Er schreibt ausdrücklich, dass der Herr auferstanden ist, und dass er dem Petrus und den anderen Jüngern erschienen ist. Darüber hinaus setzt die im Neuen Testament an vielen Stellen ausgedrückte Hoffnung auf die Wiederkunft des Herrn die Auferstehung voraus. Biblisch stehen wir also auf sicherem Grund. Dazu kommt: Nur ein Ereignis wie die Auferstehung konnte die zerstreute, verängstigte Gruppe der Jünger in die Kirche verwandeln, als Gemeinschaft derer, die an Christus glauben. Denken wir nur an Petrus, der den Herrn verleugnete. Es braucht wohl schon einiges, um so jemanden zum furchtlosen Künder Christi zu machen, der für unseren Herrn sein Leben riskiert. Ohne die Auferstehung hätte es das Christentum wohl nie gegeben.

Nun ist die Auferstehung mehr als ein bloßes historisches Ereignis. Es ist ein Ereignis, das die Welt verändert. Zum ersten Mal wurde der Tod besiegt. Der Tote kehrt aus dem Grab zurück.. Nicht, um neu zu sterben - wie Lazarus im Johannesevangelium -, sondern um nicht mehr zu sterben. Einerseits in seinem Leib mit seinen Wunden, aber doch in einem verwandelten Leib, in dem ihn seine Jünger nicht immer sofort erkennen. Ein Leib, in dem er durch die geschlossenen Türen hereingeht. Etwas Neues hat mit ihm begonnen, ein neues Leben. Nach der christlichen Überzeugung ist dieser Sieg über den Tod kein Einzelfall. Es ist der erste Sieg des Lebens, der aber schon die endgültige Niederlage des Todes bedeutet, denn dessen Untergang steht schon fest. Christus ist der Erstgeborene von den Toten. Die anderen, darunter auch wir, werden folgen. Der Tod, der alles im Griff zu haben scheint, der das eine Sichere überhaupt zu sein scheint, der hat seinen Stachel verloren. Der wird nichts mehr in seinen Klauen halten können. Zwar ist zunächst nur das eine Grab zu dem Ort geworden, an dem das Leben siegt; aber die anderen werden folgen. Die Toten werden nicht auf ewig darin bleiben.

 


 

 

Über den Sieg des Lebens hinaus bedeutet die Auferstehung noch etwas sehr Wichtiges. Christus hat nicht die Möglichkeit ergriffen, mit seinem Tod einfach seine Menschheit abzulegen und nur noch Gott zu sein. Mit der Auferstehung ist er auch als Mensch wieder auferstanden. Er ist Mensch geblieben - er ist damit für immer Mensch. Der ewige göttliche Sohn des Vaters ist nicht nur Gott, sondern auch Mensch: Damit gehört der Mensch auf das engste zu Gott dazu. In Christus sind Gott und Mensch auf ewig verbunden.

Christus ist auferstanden. Der Tod ist besiegt. Gott und Mensch sind auf ewig geeint. All das steckt in unserem Bekenntnis: Am dritten Tage auferstanden von den Toten.

 

 

Thomas Gerold

 

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