Gebet im Alltag

 

 

Drei Frauen auf dem Weg zum Grab

 

Die Frauen sind unterwegs,
Sie gehen aus der Stadt heraus
Am ganz frühen Morgen,
In der Stille der vergehenden Nacht,
Noch in der Dunkelheit.

 

Ganz ist die Nacht noch nicht vorbei,
Auch ihre Nacht nicht.
Denn sie sind verzweifelt.
Finsternis hat sich über sie gelegt.
Das Dunkel von Golgatha ist einfach da.

 

Sie sehen seine Qualen noch vor sich.
Sie hören noch das Hämmern
Als er ans Kreuz geschlagen wurde
Und vor allem seinen verzweifelten Schrei nach Gott,
Der so fern von Golgatha schien.

 

Vor sich sehen sie seinen leblosen, geschundenen Körper,
Der tot und durchbohrt am Kreuz hing.
Das letzte, was sie sahen,
War das eine Zeichen von Menschlichkeit
An diesem unmenschlichen Tag.
Wenigstens einer der Großen des Landes,
Joseph von Arimathäa, erbarmte sich.
Er begrub Jesus.
Er legte ihn in ein leeres Grab
Und ließ es fest mit einem Stein verschließen.

 

Jetzt liegt Jesus im Grab,
Das fest verschlossen ist.
Leblos liegt er im Dunkel.
Er ist tot und begraben,
Seine Geschichte schien vorbei.

 

Und doch, und doch,
Machen sich die Frauen zu ihm auf,
Sie wollen zu ihm,
Um ihn zu salben,
Um ihm ein letztes Mal ihre Liebe zu erweisen,
Auch wenn er das nicht einmal mehr spüren kann.

 

Auch wenn ihre Hoffnung gestorben ist,
Auch wenn sie verzweifelt sind,
Machen sie sich auf zu Jesus!
Sie wollen zu ihm!

Thomas Gerold

 

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copyright by Q.E.D. - 19.03.2008